netzeitung.deGrüne wollen Stromnetz notfalls verstaatlichen

 Herausgeber: netzeitung.de

Umgeknickte RWE-Strommasten im Münsterland (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Umgeknickte RWE-Strommasten im Münsterland
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

RWE soll klarstellen, seit wann Mängel an den Strommasten bekannt waren, forderte Grünen-Politiker Loske in der Netzeitung. Der Strombranche warf er vor, die Öffentlichkeit bislang belogen zu haben.

Von Markus Scheffler

Die Grünen üben scharfe Kritik am Stromversorger RWE

. «Es wird Zeit, dass RWE die Karten auf den Tisch legt und sagt, seit wann bekannt war, dass ein Teil der Strommasten nicht standsicher ist», sagte der Fraktionsvize der Partei im Bundestag, Reinhard Loske, am Dienstag der Netzeitung. «RWE kann das nicht einfach ignorieren, denn die Netze und eine sichere Energieversorgung sind Teil unserer Daseinsvorsorge.»

Hintergrund ist ein Medienbericht, dem zufolge der Stromkonzern bereits seit Mitte der 90er Jahre Kenntnis davon hatte, dass Strommasten aufgestellt wurden, die Materialmängel aufwiesen. Auch das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium ist dem Bericht zufolge zumindest in Auszügen über entsprechende Studienergebnisse informiert gewesen. Bislang hatte das Unternehmen angegeben, erst im Jahr 2000 von mangelnder Standfestigkeit der Masten gewusst zu haben. Das Ministerium will sogar erst nach den Stromausfällen Ende November informiert worden sein.

Bund soll sich einschalten
Grünen-Fraktionsvize Loske forderte deshalb Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auf, sich der Sache anzunehmen: «Offenbar schafft es der Versorger nicht, Bürgern, Aufsichtsbehörden und der Politik die Vorgänge ausreichend transparent zu machen», kritisierte der Grünen-Politiker. «Glos sollte deshalb von RWE eine Stellungnahme anfordern, aus der hervorgeht, was an den Vorwürfen dran ist, dass das Unternehmen schon seit Jahren Bescheid wusste.»

Loske regte zudem eine staatliche Überwachung der Strommetze an. «Wir brauchen einen Qualitäts-Tüv, der einen technischen Mindeststandard garantiert», forderte der Grünen-Politiker.

Zudem wies Loske auf einen Widerspruch in der bisherigen Argumentation der Versorger hin: «Mit Blick auf Stromausfälle im Ausland hieß es immer, solche Zwischenfälle seien bei uns nicht möglich, weil ausreichend in die Netzinfrastruktur investiert wird», stellte er fest. «Auch die im europäischen Vergleich hohen Netznutzungsentgelte wurden damit immer erklärt. Aber das kann ja offenkundig nicht stimmen.»

Staatliche Netzaufsicht
Loske erinnerte daran, dass die EU die unternehmerische Entflechtung von Stromerzeugung und -verteilung vorgeschlagen hatte. «Das haben die deutschen Versorger nur unzureichend getan.» Tatsächlich seien die Geschäftsfelder aber lediglich buchhalterisch getrennt worden.

Sollte keine Besserung eintreten, müsse über die Verstaatlichung der Netze erwogen werden: «Wenn die Netzsicherheit nicht gewährleistet werden kann, sollten wir darüber nachdenken die Netze in Gemeineigentum zu übertragen.» Es sei ordnungspolitisch sinnvoll, einen Netzbetreiber zu haben, der einen optimalen und diskriminierungsfreien Netzzugang gewährleistet.