Große Koalition erhält Lob aus Brüssel
17.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
In Berlin scheint das Lob indes ungehört zu verhallen. Die beiden großen Parteien haben sich am Donnerstag weiter über den Haushalt im kommenden Jahr gestritten. Nach Ansicht von CSU-Generalsekretär Markus Söder ist es objektiv unmöglich, einen verfassungskonformen Haushalt aufzustellen. In dieser Frage beschreite die Union den «Weg der Wahrheit und der Ehrlichkeit». SPD-Finanzexperte Joachim Poß versicherte hingegen, es werde gar keinen rechtswidrigen Etatentwurf geben.
Stellt die Regierung jedoch eine so genannte Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts fest, ist eine Verletzung des Artikels erlaubt. Der künftige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will sich beim Haushalt für das kommende Jahr auf diesen Punkt berufen.
Eine Störung des Gleichgewichts droht nach Ansicht des SPD-Politikers im kommenden Jahr wegen «der Situation am Arbeitsmarkt» und «Risiken in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme». Außergewöhnlich ist Steinbrücks Vorgehen angesichts der schwierigen Lage der öffentlichen Haushalte nicht: Elf von 16 Länderhaushalten verstoßen im laufenden Jahr aufgrund einer zu hohen Neuverschuldung gegen das Grundgesetz.
Almunia will Berlin mit einem konkreten Ultimatum zwingen, nach jahrelangem Verstoß 2007 tatsächlich wieder den Euro-Stabilitätspakt einzuhalten. Sollte Deutschland nicht spätestens 2007 das im Vertrag von Maastricht festgelegte Defizit-Kriterium wieder einhalten, droht eine Strafzahlung in zweistelliger Milliardenhöhe.
Die Opposition allen voran die FDP wiederholte derweil ihre Kritik an den Haushaltsplänen der großen Parteien: Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Abgeordneter «überhaupt bereit ist, die Hand zu heben für einen verfassungswidrigen Haushalt», sagte FDP-Fraktions-Chef Wolfgang Gerhardt. Es gebe Grenzen der Zumutbarkeit für das Parlament. (nz)

