netzeitung.deBinnennachfrage bleibt «Achillesferse»

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Deutsche Industrie (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Finanzanalysten bewerten die wirtschaftliche Lage deutlich positiver. Die Mehrwertsteuer- Erhöhung schwächt aber «das Vertrauen der ohnehin schon verunsicherten Verbraucher».

Für die Konjunktur in Deutschland zeichnet sich ein leichter Trend zur Besserung ab. Finanzanalysten bewerten nach der aktuellen Umfrage des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die aktuelle Lage im November deutlich besser ein als noch im Monat zuvor. Der entsprechende Index stieg von minus 58 auf minus 55,2 Punkte.

Die Index der Konjunktur- Erwartungen war dagegen rückläufig: Der entsprechende Index sank um 0,7 Punkte auf 38,7 Zähler. Analysten hatten demgegenüber mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. Der Index liegt damit aber noch immer weit über seinem historischen Mittelwert von 34,3 Punkten.

Zuvor hatte bereits das Statistische Bundesamt überrascht: Das Wirtschaftswachstum beträgt einer ersten Schätzung zufolge im dritten Quartal 0,6 Prozent. Das Wachstum fällt damit deutlich höher aus als Experten im Vorfeld erwartet hatten.

Privater Konsum schwächelt
Laut ZEW halten sich «positive und negative Faktoren in etwa die Waage». Als positiv wird der gesunkene Ölpreis und der nachgebende Euro genannt. Zudem signalisiere die aktuelle Auftragslage eine «dynamische» Entwicklung der künftigen Industrieproduktion, hieß es.

Die Inlandsnachfrage bleibe demgegenüber «die Achillesferse der Konjunktur». Nach Berechnungen der HypoVereinsbank war der private Konsum in Deutschland in den ersten drei Quartal rückläufig. Der Sachverständigenrat geht zudem in seinem in der vergangenen Woche veröffentlichten Jahresgutachten davon aus, dass der Konsum auch 2006 weiter zurückgehen wird.

Gerade die deutliche gestiegenen Energiepreise entziehe den Verbrauchern Kaufkraft, sind die Volkswirte der HypoVereinsbank überzeugt. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2006 rechnet die Bank mit einem Anziehen des privaten Konsums. Aber auch nur deshalb, weil es aufgrund der Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Vorzieheffekten kommen wird.

Wachstums-Darlehen in 2006
Die Investmentbank Morgan Stanley sieht aufgrund der Vorzieheffekte und besseren Abschreibungsmöglichkeiten auch die Chance für ein höheres Wachstum im kommenden Jahr. Nach Berechnungen der Bank könnte das Wachstum mit 1,8 Prozent 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen als bisher angenommen.

Das Plus würde aber nur «von 2007 geliehen», heißt es in einer Studie. In 2007 werde das Wachstum durch die Mehrwertsteuer um «mindestens» 0,75 Prozent gedrückt. Eine konkrete Prognose für 2007 haben die Analysten der Bank noch nicht veröffentlicht.

Mehrwertsteuer verunsichert
Für die Experten des ZEW hemmt die «Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs» die binnenwirtschaftliche Dynamik. Zudem belaste die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer «das Vertrauen der ohnehin schon verunsicherten Verbraucher». Die Steuer soll nach dem Willen der Großen Koalition 2007 um drei Prozentpunkte auf dann 19 Prozent steigen.

An der Umfrage im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests haben sich den Angaben zufolge im November 326 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. (nz)