IHK Köln: «Pilger von heute ist Gast von morgen»:
«Der Pilger von heute ist der Gast von morgen»
Der geschätzte zusätzliche Umsatz sei nur der primäre Effekt, sagte Slapio weiter. Die langfristigen Auswirkungen seien gar nicht zu beziffern. «Die jungen Menschen, die jetzt nach Köln strömen, werden sich auch noch viel später an dieses Ereignis erinnern», betonte sie. «Der Pilger von heute ist der Gast von morgen.» Bislang haben sich mehr als 400.000 Pilger aus 197 Ländern bei den Organisatoren des Weltjugendtages (WJT) registrieren lassen. Weitere 400.000 nicht angemeldete Besucher werden erwartet.
Nach Ansicht Slapios bietet das internationale Großereignis die Chance, sich als «weltoffene und gastfreundliche» Region zu präsentieren. Allein die weltweiten Fernsehübertragungen entsprächen etwa 560.000 Werbespots, hob Slapio hervor. Über 7000 Journalisten aus rund 160 Ländern wollen über den Besuch von Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag berichten.
Weit weniger optimistisch sind die Einzelhändler vor Ort: «Da schreiben wir mal ein großes Fragezeichen dahinter», sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelverbandes Nordrhein-Westfalen, Uwe Klein, der Netzeitung. «Wir werden keinen Umsatzsprung machen», dämpfte er die hochgesteckten Erwartungen. Er geht auch nicht davon aus, dass sich das Ereignis «spürbar» auf die Umsatzentwicklung auswirken wird. Eine konkrete Prognose wollte er allerdings nicht wagen.
Die IHK rechnet damit, dass die jungen Pilger ungefähr 65 Euro pro Tag ausgeben, was dem durchschnittlichen Budget eines Tagestouristen entspricht. Da sei viel zu optimistisch, warnte Klein. «Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass ein junger Pilger jeden Tag soviel Geld verbraucht. Die jungen Leute reisen doch mit einem schmalen Budget», gab er zu Bedenken.
Für die Hotellerie rechnet die IHK mittlerweile nur noch mit einer Auslastung von 60 bis 70 Prozent, zuvor hatte die Handelskammer weit über 80 Prozent erwartet. Das sei für den Ferienmonat August eine gute Auslastung, sie entspreche aber nicht den Erwartungen, zeigte sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein ein wenig enttäuscht.
Für die Bereitstellung von Gemeinschaftsräumen und Schulen zur Unterbringung der Gäste stellt die Stadt den Organisatoren pauschal zwei Euro je Pilger und Nacht in Rechnung. Doch von den 220 Schulen seien bislang nur 80 Prozent in Anspruch genommen. «Die Bereitschaft der Kölner und Rheinländer, die jungen Besucher privat aufzunehmen, ist doch viel größer als erwartet», sagte Wieneke.
Die Ausgaben für Polizei, Feuerwehr, Sicherheitskräfte und Katastrophenschutz ließen sich zwar budgetieren, aber sie führten nicht zu Mehraufwendungen im Haushalt, beteuerte Wieneke. Die Kosten würden zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt.
Auch das nordrhein-westfälische Innenministerium konnte keine Angaben zu den zusätzlichen Kosten machen. «Im vorhinein gibt es keine Schätzung. Das können wir erst danach sagen», sagte eine Ministeriumssprecherin der Netzeitung.
Lediglich einen Posten konnte sie nennen: Das Land musste für den Papstbesuch die Pollarwiesen entlang des Rheinufers von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg säubern lassen. «Das kostete 767.000 Euro», sagte sie. Die Kosten für die Entsorgung der Kampfmittel seien dabei nicht berücksichtigt. Der Papst wird bei seinem Besuch in Köln eine Schifffahrt machen und auf der Höhe der Pollarwiesen eine Ansprache halten.
Der Rest - etwa 40 Prozent - soll über Beiträge der Pilger finanziert werden. Die Bistümer zahlen rund 26 Millionen Euro, und rund 15 Prozent sollen durch Spenden, Sponsoren und Merchandisung erwirtschaftet werden.
Die Organisatoren hoffen, ihren Finanzrahmen einhalten zu können. Das sagte der Geschäftsführer des WJT, Hermann-Josef Johanns, am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Ziel sei eine «schwarze Null». Johanns räumte jedoch ein, das schlechte Wetter zu Beginn der Veranstaltungswoche habe weitere Kosten verursacht.

