15.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Protest gegen EU-Zuckerpolitik
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit bundesweiten Protesten wehren sich deutsche Rübenbauer gegen die geplante Preissenkung für Zucker in der EU. Vorgesehen ist eine Reduzierung um bis zu 43 Prozent.
Deutsche Zuckerrübenbauern protestieren an diesem Freitag bundesweit gegen die geplante drastische Preissenkung für Zucker in der EU. Die vorgesehene Reduzierung um bis zu 42,6 Prozent gefährde die Existenz von rund 70.000 Rübenanbauern, warnte der Deutsche Bauernverband vor Beginn der Proteste in Berlin. Zudem seien zehntausende Arbeitsplätze in der Zuckerwirtschaft gefährdet.
Aktionen in mehreren BundesländernDer Verband startete am Vormittag in Lage in Westfalen eine Aktion, bei der 70.000 Luftballons mit Protest-Postkarten an Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) geschickt werden einen für jeden bedrohten Arbeitsplatz, wie es hieß. Aktionen sind außerdem in Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Bayern geplant.
An den Aktionen beteiligen sich auch die Zuckerwirtschaft und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Landwirte fordern, dass sich Künast gegen die Reformpläne einsetzt, über die die EU-Agrarminister am kommenden Montag erstmals in Brüssel beraten. Deutschland ist nach Frankreich zweitgrößter Zuckerproduzent der EU.
Preise dreifach über WeltmarktniveauIn der EU sind Preise für Rüben und Zucker bislang garantiert der EU-Preis für weißen Zucker ist derzeit etwa drei Mal so hoch wie der Weltmarktpreis. Die Reform der Zuckermarktordnung sieht vor, ab dem Wirtschaftsjahr 2006/07 die Preise in zwei Jahresschritten bis 2010 erheblich zu senken. Dafür sollen die Landwirte zu 60 Prozent durch eine Prämie entschädigt werden.
Zudem will die EU-Kommission den Zuckermarkt auf Druck der Welthandelsorganisation WTO öffnen, damit ausländische Produzenten ihre Ware in der EU anbieten können. Bislang schützen hohe Einfuhrzölle die einheimische Industrie vor Konkurrenz von außen. Hintergrund ist ein WTO-Verfahren, das die EU verloren hatte. Mehrere Länder, darunter der weltgrößte Zuckerproduzent Brasilien, hatten Beschwerde gegen die bestehende Zuckermarktordnung eingelegt. (nz)