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Forsa-Chef: Lafontaine überschätzt sich selbst

11. Jun 2005 08:05
Manfred Güllner
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Das neue Linksbündnis wird nach Ansicht von Forsa-Chef Güllner nicht viel mehr Stimmen holen als die PDS alleine. Vielen in der Bevölkerung sei klar, dass «Lafontaine nur Rache nehmen will», sagte er der Netzeitung.

Von Marcus Gatzke

Nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner wird das Potenzial des neuen Linksbündnisses «oft überschätzt». «Ich glaube, dass es bei etwa acht Prozent liegt», sagte Güllner im Gespräch mit der Netzeitung. Wahrscheinlicher sei aber ein Ergebnis «von fünf bis sechs Prozent» bei der geplanten vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst.

Vertreter der PDS und der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) hatten sich in der Nacht zum Freitag in Berlin im Grundsatz auf eine Zusammenarbeit geeinigt, für die der Name «Vereinigte Linke/PDS» favorisiert wird. Ein Wahlbündnis von PDS und WASG mit den Kandidaten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine an der Spitze ist jetzt nur noch vom Votum der Parteigremien abhängig.

SPD-Wähler bleiben eher zu Hause

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Der Forsa-Chef sieht in dem Bündnis zwar «eine Schwächung der SPD». Die neue Gruppierung werde aber «nicht viel mehr holen als die PDS alleine», ist er überzeugt. Bei den Bundestagswahlen 2002 war die PDS knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, zog aber mit zwei gewonnenen Direktmandaten doch in den Bundestag ein.

Die SPD wird das Bündnis nach Auffassung des Meinungsforschers «bis zu zwei Prozentpunkte» kosten. «Es gibt nicht viele SPD-Wähler, die Lafontaine wählen wollen», begründete er seine Meinung. «Die meisten SPDler werden aus Enttäuschung eher zu Hause bleiben als das Linksbündnis zu wählen.» Als Argument führt Güllner außerdem an, dass dem Bürger die Notwendigkeit für weitere Reformen bewusst sei. «Die Wähler haben in NRW schließlich auch CDU gewählt, obwohl sie weitere Grausamkeiten plant», sagte er.

Güllner glaubt auch nicht an das Zugpferd Oskar Lafontaine: «Lafontaine überschätzt sich selbst», sagte er. «Nicht viele werden ihn wählen wollen nach dem, was er in der Vergangenheit gemacht hat. Viele glauben zu Recht, dass Lafontaine nur Rache nehmen will.» Der ehemalige SPD-Vorsitzende habe in der Bevölkerung auch «ein ausgesprochenes Negativ-Image – gerade in Ostdeutschland».

Große Koalition unwahrscheinlich

Dass der Einzug des linken Bündnisses zu einer großen Koalition im Bund führt, hält der Experte für unwahrscheinlich: «Dafür muss die FDP entsprechend schlecht abschneiden und das Linksbündnis wirklich zur drittstärksten Kraft werden», so der Forsa-Chef. «Die schwarz-gelbe Mehrheit ist in den Umfragen so stark, dass sich viel bewegen muss, um das noch zu drehen.»

In der Bevölkerung gebe es einfach ein Grundgefühl: «Rot-Grün muss weg.» Die traditionellen Wähler der SPD seien irritiert und «die Kritik am Bundespräsidenten trägt nicht dazu bei, Vertrauen zurück zu gewinnen», betonte er mit Blick auf die jüngsten Äußerungen verschiedener SPD-Politiker. Dem Bürger werde außerdem immer deutlicher, «dass die SPD nicht mehr hinter Bundeskanzler Gerhard Schröder steht».

 
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