Eichel hält Euro für Wachstumsbremse
Dem Magazin lägen interne Vermerke des Finanzministeriums vor, in denen Eichels Experten vor einem ökonomischen Auseinanderdriften Europas warnten. Unter der Überschrift «Euro-Zone: Zunehmende Besorgnis über verfestigte Inflations- und Wachstumsdifferenzen» heiße es: «Die Schere droht weiter auseinander zu laufen, so dass die Gefahr einer Anpassungskrise größer wird.» Der «Stern» zitierte Joachim Fels von der Investmentbank Morgan Stanley, der an dem Treffen mit Eichel und Weber teilnahm, mit den Worten: «Das kann in einigen Jahren zum Super-Gau führen: einem Auseinanderbrechen des Euro.»
Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Steffan Giffeler, wollte das Treffen nicht bestätigen. Der Gefahr eines Scheiterns der Wirtschafts- und Währungsunion werde vom Bundesfinanzminister nicht gesehen. Die vom «Stern» zitierten Papiere seien ihm nicht bekannt, so Giffeler. «Irgendwelche Fachvorlagen des Hauses» seien nicht zu verwechseln mit der Meinung des Ministers oder des Ministeriums. «Ich kann Ihnen nicht bestätigen, dass es innerhalb der Bundesregierung eine Diskussion über ein Scheitern der Wirtschafts- und Währungsunion gebe», sagte Giffeler weiter.
Eine Auflösung der Währungsunion sei rechtlich möglich, so das Magazin weiter. Dies gehe aus einem bisher unter Verschluss gehaltenen Rechtsgutachten des Deutschen Bundestages hervor. Zwar ist ein solcher Schritt im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen. Aber sowohl eine einvernehmliche Aufhebungsvereinbarung« als auch ein «außerordentliches Kündigungsrecht» bei «Wegfall der Geschäftsgrundlage» seien nicht ausgeschlossen. Das Fazit des Gutachtens laute: «Völker- und europarechtlich lässt sich (...) die Möglichkeit einer Beendigung der Wirtschafts- und Währungsunion über die einvernehmliche Aufhebung der Gemeinschaft insgesamt vertreten.»
Allein für Spanien mache der Effekt 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, während für Deutschland der Nachteil 1,4 Prozent betrage. Die «Verschlechterung der relativen Finanzierungsbedingungen» könne auch herangezogen werden, «den Wachstumsrückstand Deutschlands gegenüber den anderen Ländern» zu erklären. Die Ministeriums-Ökonomen fürchten dem Bericht zufolge, Deutschland könne es nicht gelingen, den Nachteil jemals durch Lohnzurückhaltung wettzumachen: «Die Langwierigkeit der Anpassung führt zu einer derartigen Investitionsschwäche, dass sich in der Folge das Wachstumspotenzial insgesamt vermindert.»
Auch 48 Prozent der Deutschen geben einer Forsa-Umfrage im Auftrag des «Stern» zufolge dem Euro eine Mitschuld an der schlechten Wirtschaftslage in Deutschland. 56 Prozent wollen sogar die Mark zurück. 90 Prozent glauben, dass die Währungsumstellung zu dauerhaften Preiserhöhungen geführt hat. (nz)

