05.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn
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Historiker Wolffsohn erwartet im Kapitalismus-Streit von SPD-Chef Müntefering eine Entschuldigung für dessen «Heuschrecken»-Vergleich. Bundestagpräsident Thierse kritisiert derweilen das «eskalierende Geschwätz» in der Diskussion. Thema: Kapitalismus-Streit Müntefering droht Unternehmen mit Ärger Kann die SPD noch debattieren? Müntefering stellt vier Forderungen auf Lafontaine greift SPD-Führung an «Vergleich mit Investoren für Heuschrecke inakzeptabel» In der Kapitalismus-Debatte hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu Sachlichkeit und Mäßigung aufgerufen. «Die Tonart, in der sich jetzt viele zu Wort melden, ist das genaue Gegenteil dessen, was ich für richtig und notwendig halte», sagte Thierse dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn wehrte sich unterdessen gegen Vorwürfe, er habe den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering der Nazi-Hetze bezichtigt. Thierse sagte, statt «eskalierenden Geschwätzes» bedürfe es «einer ernsthaften und leidenschaftlichen Debatte, die über den Tag hinausgeht». Zugleich warnte der Bundestagspräsident vor zu schnellen Lösungen und überzogenen Erwartungen. Wolffsohn: Kein Antisemitismus-Vorwurf
In der Kapitalismus-Debatte hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu Sachlichkeit und Mäßigung aufgerufen. «Die Tonart, in der sich jetzt viele zu Wort melden, ist das genaue Gegenteil dessen, was ich für richtig und notwendig halte», sagte Thierse dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn wehrte sich unterdessen gegen Vorwürfe, er habe den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering der Nazi-Hetze bezichtigt.
Thierse sagte, statt «eskalierenden Geschwätzes» bedürfe es «einer ernsthaften und leidenschaftlichen Debatte, die über den Tag hinausgeht». Zugleich warnte der Bundestagspräsident vor zu schnellen Lösungen und überzogenen Erwartungen.
Wolffsohn: Kein Antisemitismus-Vorwurf Wolffsohn betonte im Deutschlandradio Kultur, er habe dem SPD-Chef keineswegs Antisemitismus vorgeworfen. Vielmehr habe er auf unerträgliche Sprach- und Denkmuster hinweisen wollen, die weit in die Geschichte zurückreichten. Münteferings Bild von Finanzinvestoren als «Heuschrecken» sei inakzeptabel. Eine Entschuldigung des SPD-Chefs halte er für angemessen. Es dürfe nicht sein, dass 60 Jahre nach Kriegsende wieder Menschen mit Ungeziefer verglichen würden.
Müntefering selbst hatte am Mittwoch zu den Äußerungen Wolffsohns gesagt, solchen «Unsinn» kommentiere er nicht. Auch verwahrte er sich gegen den Vorwurf, er habe pauschal alle Unternehmer angegriffen. «Ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer - die, die sich anständig auf der Grundlage der Gesetze aufführen und die ihre soziale Verantwortung im Blick haben, haben von uns nichts zu befürchten», sagte er, «andere aber müssen wissen, dass es Ärger gibt.»
Lambsdorff: Müntefering macht sich lächerlichMüntefering kündigte an, er wolle den Kampf gegen das Lohndumping, eine Pflicht zur Veröffentlichung von Managergehältern, zinsgünstige Kredite für kleine Unternehmen sowie eine Angleichung der Steuersätze in Europa.
Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff griff Müntefering dafür im «Kölner Stadt-Anzeiger» scharf an: «Wer so etwas wie einheitliche Steuersätze in Europa vorschlägt, verabschiedet sich aus jeder ernsthaften Diskussion und macht sich lächerlich.» (nz)