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Investoren wollen keine «Heuschrecken» sein

02. Mai 2005 09:52
Finanzinvestoren wehren sich gegen die heftige Kritik aus der SPD. Ohne Private Equity gebe es hier zu Lande weniger neue Jobs. Die Branche droht, um Deutschland einen Bogen zu machen.

Thema: Kapitalismus-Streit
In der Debatte um die angeblichen Auswüchse des Kapitalismus melden sich nun auch die als «Heuschrecken» bezeichneten außerbörslichen Beteiligungsfonds zu Wort. «Hier wird ein vollkommen undifferenziertes Bild der Finanzinvestoren gezeichnet», sagte der Geschäftsführer des Frankfurter Ablegers der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Advent International, Ralf Huep, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ). «Das ist für den Standort Deutschland überaus schädlich.»

Ohne Private Equity weniger Jobs

Advent wird zusammen mit weiteren Finanzinvestoren auf einer Liste geführt, die in einer SPD-Arbeitsgruppe erstellt wurde und Beispiele für Firmen nennt, denen vorgeworfen wird, zum Schaden der Mitarbeiter nur an kurzfristiger Rendite interessiert zu sein. Die SPD leugnet indes, dass es sich um ein Papier zu den «Heuschrecken»-Äußerungen von Parteichef Franz Müntefering handelt. Dieser hatte jene Investoren mit Heuschrecken verglichen, die sich auf die deutsche Unternehmen stürzten, diese abgrasten und dann weiterzögen.

Huep sagte weiter, Müntefering komme doch aus Nordrhein-Westfalen und müsse wissen, dass ohne Private Equity die Arbeitslosenquote dort noch höher wäre. Der PVC-Hersteller Vinnolit etwa habe unter der Ägide von Advent mehr als 200 Millionen Euro in eine neue Chemiefabrik am Standort Knapsack investiert und zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. «Wenn das nach dem Wahlkampf so weitergeht, wird das neue Investoren abschrecken», so Huep. Am 22. Mai wird in NRW ein neuer Landtag gewählt.

«Wir können auch woanders investieren»

Der «Financial Times Deutschland» (FTD) sagte Huep zudem, dass es «natürlich» einige Investoren gebe, die «unvorsichtiger mit den von ihnen erworbenen Unternehmen» umgingen. «Das liegt aber oft auch daran, dass diese Unternehmen sonst vor die Wand fahren würden.» Hinter vorgehaltener Hand äußern sich auch andere Beteiligungsmanager entsetzt über die SPD-Liste und die «Heuschrecken»-Debatte. «Das kann ganz schnell zu einem persönlichen Thema werden. Wir können auch woanders als in Deutschland investieren», zitierte die «FAZ» einen nicht namentlich genannten Partner einer großen Beteiligungsfirma.

Vor allem seien die Manager verblüfft, dass sie auf einmal mit vermeintlich längst aus der Welt geschafften Vorurteilen konfrontiert würden, so die «FAZ» weiter. Entsetzen herrsche vor allem über das Unwissen, mit dem die SPD zu Werke gehe: So führt die Liste als erstes Beispiel den von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Goldman Sachs erworbenen Hersteller von Geldautomaten, Wincor Nixdorf, an. Laut Wincor Nixdorf wurden seit dem Einstieg von KKR bis heute mehr als 3000 Arbeitsplätze geschaffen, davon gut 1100 in Deutschland.

Gespaltene Zunge

Verwundert sei die Branche auch die über gespaltene Zunge, mit der die SPD spreche, berichtete die «FAZ» weiter. Obwohl Müntefering gegen die Investoren polemisiere, seien letztere gern gesehene Gäste von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD).

Allerdings kommen auch warnende Töne aus der Branche: Der Chef der Allianz-Tochter Allianz Capital Partners, Thomas Pütter, warnte, Private-Equity-Investoren könnten als unerwünschte «Zocker» in Verruf geraten, sollte es ihnen nur um immer schnellere Gewinne beim Kauf und Verkauf von Firmen gehen.

«Wenn Private-Equity-Investoren anfangen, ihre Beteiligungen nur zwölf Monate zu halten, weil außerordentliche Finanzumstände es anderen erlauben, einen noch höheren Preis dafür zu bieten, dann ist das problematisch», sagte Pütter der «FTD». (nz)

 
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