Koch gegen Münteferings «Primitivkritik»
20.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, bezeichnete es in der «Berliner Zeitung» ebenfalls als auffällig, dass Münteferings Äußerungen vor einer so wichtigen Wahl gemacht wurden: «Politiker, die um des eigenen Machterhalts willen solche Themen jetzt in den Vordergrund stellen, deuten eigentlich nur an, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind», sagte er dem Blatt. Ähnlich äußerten sich Georg Ludwig Braun, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), und Ludolf von Wartenberg, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), wie das Blatt am Mittwoch weiter berichtete.
Auch der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) nannte es in der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse» «pervers», dass der Aktienkurs eines Unternehmens umso höher steige, je mehr Mitarbeiter entlassen würden. Für viele Firmen seien die Mitarbeiter inzwischen «nicht mehr viel mehr als Bauklötze, die hin und her geschoben werden». Das könne keine Zukunft haben, weil es sich die Menschen auf Dauer nicht gefallen lassen würden. Er fürchte daher soziale Unruhen.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) empfahl in dem Blatt, auf die Europäische Union zu setzen, um gegen die von Müntefering beklagten Auswüchse vorzugehen. Nur die EU könne die soziale Marktwirtschaft retten: «Es macht keinen Sinn, wenn die Europäische Union für die fortdauernde Verschärfung des Wettbewerbs zuständig ist, und die nationalen Regierungen die soziale Abfederung organisieren müssen», wird Thierse vom Blatt zitiert. Die Gemeinschaft müsse vielmehr das verhindern, «was die Leute ängstigt. Nämlich ein radikaler Dumping-Wettbewerb zu Lasten der Löhne». (nz)

