28. Feb 2005 18:54
Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2004 sehr viel mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Dennoch sei der Spielraum für Beitragssenkungen gering, meint die AOK.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2004 einen Überschuss in Höhe von 3,8 Milliarden Euro erzielt. Das berichtete das «Handelsblatt» am Montagabend. Die Zeitung berief sich auf Abrechnungsdaten der Kassenverbände. Vor wenigen Tagen hätten Kassenfunktionäre das Plus um 300 Millionen Euro niedriger eingeschätzt, hieß es. Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen Ahrens, sagte der Zeitung, die Ortskrankenkassen werden im Mai oder Juni über Beitragssenkungen entscheiden. «Der Spielraum ist allerdings nicht so groß, wie die Überschussdaten nahe legen». Zur Begründung nannte er neue Kostenrisiken und den hohen Schuldenstand einiger Kassen. «Allein im AOK-System müssen noch drei Milliarden Euro Schulden abgebaut werden», sagte Ahrens der Zeitung.
Als Hauptgrund für den Gewinn nannte er die Praxisgebühr, höhere Zuzahlungen und Leistungsausgrenzungen durch die Gesundheitsreform. Sie hätten eine steuernde Wirkung gehabt und zu weniger Arztbesuchen geführt. «Unsere Leistungen sind um 3,6 Prozent gesunken», sagte der AOK-Chef. Die Einnahmen seien aber nicht gestiegen. Dagegen gab es den Angaben zufolge bei Ersatz-, Innungs- und Betriebskrankenkassen Einnahmezuwächse in Höhe zwischen einem und zwei Prozent. «Ursache hierfür sind allerdings Sondereffekte, die sich in diesem Jahr nicht wiederholen werden», sagte eine Sprecherin des Ersatzkassenverbands. Vor allem Rentner hätten frisches Geld in die Kassen gespült, weil sie 2004 statt des halben den vollen Beitragssatz auf Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten zahlen mussten. (nz)