Heftige Kritik an Poker um Stabilitätspakt
16.02.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Sollte sich Deutschland mit seinen Vorschlägen zu einer Reform des Paktes durchsetzen, «wird die langfristige Glaubwürdigkeit des Euro gefährdet und wir werden auf Dauer eine höhere Inflationsrate und höhere Zinsen bekommen», ist Neumann, der auch im wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministerium sitzt, überzeugt. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde dadurch zu einer restriktiveren Geldpolitik gezwungen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte am Dienstagabend nach einem Treffen mit dem Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, ein Tauschgeschäft angedeutet: «Wenn es die Chance gibt, sich in der luxemburgischen Präsidentschaft sowohl über die Reform des Stabilitätspaktes als auch über die finanzielle Vorausschau zu einigen, dann sind wir dafür», sagte Schröder in Brüssel. Im Klartext: Deutschland kommt euch bei der Finanzplanung entgegen, wenn ihr den Stabilitätspakt reformiert. Das hätte wahrscheinlich auch zur Folge, dass der Nettobeitrag Deutschlands an die EU steigt.
Neumann widerspricht auch der Forderungen von vielen Politikern und Wirtschaftsexperten, die EZB müsse die Zinsen senken, um der schwächelnden Konjunktur in einigen EU-Mitgliedsstaaten auf die Beine zu helfen: «Deutschland braucht keine niedrigeren Zinsen», sagte er. Die Zinsen seien so niedrig wie noch nie, und trotzdem komme Deutschland nicht zu einem höheren Wachstum. «Deutschland braucht eine drastischen Rückgang der Arbeitskosten», forderte er. Das Land sei auf den Wettbewerb einer vergrößerten EU überhaupt nicht eingestellt.
Neumann rechnet damit, dass die EZB die Leitzinsen im laufenden Jahr sogar anheben wird: «25 Basispunkte sind auf jeden Fall erforderlich 50 Punkte in zwei Schritten sind aber wahrscheinlicher», prognostiziert der Experte. Das negative Wachstum in Deutschland im vierten Quartal ist für ihn nur «eine Delle». «Ich würde das nicht so ernst nehmen.» Sicher sei aber auch, dass Deutschland «keine überschäumende Konjunktur» habe, sagte er.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke

