netzeitung.deGerke: Deutsche Bank soll Politiker verklagen

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Wolfgang Gerke Quelle: Uni-Erlangen (Quelle: Uni-Erlangen<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wolfgang Gerke Quelle: Uni-Erlangen
Quelle: Uni-Erlangen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Börsen-Experte Gerke hat der Deutschen Bank geraten, Politiker zu verklagen, die zum Bankenwechsel aufrufen. Es sei nicht die Aufgabe der Bank, Sozialpolitik zu machen, sagte er der Netzeitung.

Der Börsenexperte Wolfgang Gerke hat den Aufruf verschiedener SPD-Politiker, die Deutsche Bank
zu boykottieren, heftig kritisiert. «Das ist reiner Opportunismus von Politikern, die ihre eigenen Fehler bei der Arbeitsmarktpolitik kaschieren wollen», sagte der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg am Mittwoch der Netzeitung. Die fünf Millionen Arbeitslose, die es in Deutschland gebe, seien nicht das Problem der Deutschen Bank.

Der Aufruf schade dem Finanzplatz Deutschland und schrecke andere internationale Kreditinstitute ab, nach Deutschland zu kommen. «Da würde ich als Deutsche Bank eine Haftungsklage anstreben», sagte Gerke. Schließlich rufe die Deutsche Bank auch nicht zum «Boykott von Parteien» auf.

Ackermann «idealer Blitzableiter»
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zum «Prügelknaben» zu machen, sei ein «ganz durchsichtiges Spiel», betonte Gerke. «Da hat man sich einen ausgesucht, der durch den Mannesmann-Prozess ein schlechtes Image hat und ein Unternehmen mit hohen Gewinn führt – ein idealer Blitzableiter.»

Gerke verteidigte zudem das Ziel der Deutschen Bank, die Eigenkapitalrendite vor Steuern auf 25 Prozent zu steigern. Die spezielle Situation der Bankenlandschaft müsse beachtet werden. Kreditinstitute hätten schon immer weniger Eigenkapital gehabt. «Und von daher brauchen sie auch eine höhere Rendite», fügte er an.

Den Stellenabbau bezeichnete Gerke als «richtig» und «notwendig»: «Was andere wie die Hypovereinsbank und die Commerzbank noch nicht geschafft haben, macht jetzt die Deutsche Bank.» Wenn Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden sollten, «muss die Bank konkurrenzfähig sein – auch in den Renditen. Es ist nicht die Aufgabe der Deutschen Bank Sozialpolitik zu machen.»

Ypsilanti rief zum Boykott auf
Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hatte am Dienstag aus Protest gegen die Vorgehensweise der Deutschen Bank zu einem Boykott des Geldhauses aufgerufen. Auch der Grünen-Chef Reinhard Bütikofer kritisierte das Vorgehen der Bank: Vorstandschef Ackermann tue so, als könne er von der Gesellschaft nur fordern, sagte Bütikofer am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin». Es sei zynisch, nach einem Riesengewinn anzukündigen, man werde die Arbeitslosigkeit noch etwas erhöhen, um noch mehr Gewinn zu machen, sagte Bütikogfer weiter.

Die Deutsche Bank will weltweit in den kommenden Jahren 6500 Arbeitsplätze streichen. Insgesamt 1920 davon sollen in Deutschland wegfallen. Die Jobabbau hier zu Lande hatte das Institut bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke