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Lupe Wirtschaftsweiser Bofinger bekommt Zuspruch

Erstmals haben sich verschiedene Wirtschaftsexperten auf die Seite des Wirtschaftsweisen Bofinger gestellt. Ohne ihn hätten die anderen Ratsmitglieder «keinen Rechtfertigungszwang mehr», sagte IWH-Chef Blum.

Der Streit im Sacherverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage hat eine grundsätzliche Diskussion um die um die Sinnhaftigkeit der Gutachten des Gremiums ausgelöst. Das Gutachten sei in der heutigen Form «kaum geeignet für die Adressaten in der Politik», sagte der Präsident des Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), Ulrich Blum, der «Financial Times Deutschland» (FTD), wie die Zeitung am Montag berichtete. Die Politiker hätten nicht die Zeit, rund 1000 Seiten zu lesen.

«Wir müssen uns überlegen, wie wir sinnvoll das Nebeneinander von Sachverständigenrat, Instituten und wissenschaftlichen Beiräten bei den Ministerien in Deutschland organisieren», sagte Blum weiter. An sich sei der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung aber eine gute Einrichtung, betonte er.

Kontroverse Debatten wichtig
Auch die kontroverse Debatte innerhalb des Gremiums sei positiv zu bewerten. Der Würzburger Professor Peter Bofinger sei vielleicht in seiner Art nicht einfach. «Es ist aber gut, dass wir Menschen wie ihn im Rat haben. Sonst hätten die anderen keinen Rechtfertigungszwang mehr», sagte er mit Blick auf die jüngste Kritik an Bofinger.

Neben dem Vorsitzenden des Rates, Wolfgang Wiegard, hatte sich auch Ratskollege Wolfgang Franz kritisch über Bofinger geäußert. Beide warfen im vor, eine dem Rat völlig entgegengesetzte Auffassung zu vertreten und nicht kompromissbereit zu sein. Wiegard will deswegen nicht mehr für den Vorsitz des Rates zur Verfügung stehen und 2006 ganz aus dem Gremium ausscheiden.

Hickel wirft Wiegard Rufschädigung vor
Der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel bezeichnete den Streit als rufschädigend für das gesamte Gremium. «Die denunzierenden Zweifel des Vorsitzenden Wolfgang Wiegard an der Sachkompetenz von Peter Bofinger sind völlig unangemessen. Auch in Deutschland müssen kontroverse Standpunkte möglich sein», sagte er dem «Hamburger Abendblatt». Wiegard habe damit die jahrzehntelange seriöse Arbeit des Sachverständigenrats beschädigt. (nz)