netzeitung.deEichel will Haushaltslöcher ohne Bundesrat stopfen

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Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bundesfinanzminister Eichel will den Stabilitätspakt 2005 auf jeden Fall einhalten und greift dafür zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Dabei will er sich aber auf keinen Fall vom Bundesrat abhängig machen.

Von Marcus Gatzke

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat das Ziel, die Neuverschuldung im kommenden Jahr unter drei Prozent zu drücken, noch nicht aufgegeben. Wie schon in der Vergangenheit sollen auch diesmal unter anderem die ehemaligen Staatskonzerne Deutsche Post

und Deutsche Telekom
herhalten, um Haushaltslöcher zu stopfen. Insgesamt muss Eichel für 2005 eine Lücke von rund acht Milliarden Euro schließen, wie der Minister am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Eichel plant, die Pensionsverpflichtungen der so genannten Postnachfolge-Unternehmen in den kommenden Jahren am Kapitalmarkt zu veräußern. Den Wert der Verpflichtungen beziffert er auf rund 18 Milliarden Euro – allein 2005 soll es dadurch zu einer Entlastung des Haushalts in Höhe von 5,5 Milliarden Euro kommen.

Teuerer Deal mit Post und Telekom
Der Einnahme stehen aber höhere Belastungen in den kommenden Jahren gegenüber: Der Bund muss die Pensionskasse für die ehemaligen Telekom- und Post-Beamten weiter bedienen, hinzu kommen noch die Leistungen, die bisher von den Unternehmen selbst getragen wurden, aber vom Bund am Kapitalmarkt verkauft werden.

Nach Angaben des Ministeriums sind die Kosten jedoch degressiv: Würden 2005 noch 1,4 Milliarden für die Pensionskasse anfallen, seien es 2020 nur noch 500 Millionen Euro. Unter Experten gibt es aber Zweifel, ob der Verkauf der Pensionsverpflichtungen auf lange Sicht nicht sogar teurer ist als eine einfache Kreditaufnahme.

Keine Nachhaltigkeit
Zusammen mit weiteren Maßnahmen, wie der Verlegung des «Tages der deutschen Einheit» auf den ersten Sonntag im Oktober, einer höheren so genannten globalen Minderausgabe um eine Milliarde Euro und einer Initiative für eine Nullrunde im öffentlichen Dienst will Eichel im kommenden Jahr vermeiden, zum vierten Mal in Folge gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt zu verstoßen.

Die Opposition kritisierte die Maßnahmen prompt als den «verzweifelten Versuch einer gescheiterten Bundesregierung, sich über die Runden zu retten - zu Lasten zukünftiger Generationen.» Eine nachhaltige Lösung der Haushaltsmisere sind die Maßnahmen nicht, das weiß auch Eichel. Viel lieber würde er nach eigenem Bekunden Subventionen streichen und das deutsche Steuersystem vereinfachen. «Das sind keine Maßnahmen, wie ich sie mir eigentlich vorgestellt habe», gibt Eichel zu. Nur: Für einen Subventionsabbau braucht er in den meisten Fällen die Zustimmung der Länderkammer.

«Wir lösen unsere Probleme ohne euch»
Eichel will die Lücke im Haushalt aber diesmal ohne langwierige Verhandlungen im Bundesrat schließen. «Wir lösen unsere Probleme ohne euch», betonte der Minister. Er bezeichnete die vergangenen Debatten mit der Opposition im Bundesrat über den Subventionsabbau als «oft fruchtlos» und als eine «Verunsicherung der Bevölkerung» und damit als «Gift für die wirtschaftliche Entwicklung». Alle jetzt vorgestellten Maßnahmen bedürfen nach Angaben des Ministeriums nicht der Zustimmung des Bundesrates.

Eichel appellierte an die Bundesländer, den Subventionsabbau nicht länger zu blockieren. «Nagelprobe» sei die Abschaffung der Eigenheimzulage, um mit den Einsparungen in Bildung und Forschung investieren zu können. Steuererhöhungen schloss Eichel ausdrücklich aus: Die Maßnahmen dürften «in keiner Weise den noch nicht starken Aufschwung gefährden». Die Binnennachfrage sei immer noch zu schwach, begründete er die Absage an eine von einigen Seiten geforderte Erhöhung der Mehrwertsteuer.