netzeitung.deEuropäischer Gewerkschaftsbund: «Nationale Ebene kann nicht mehr verteidigt werden»

 Herausgeber: netzeitung.de

Reiner Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär des EGB (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Reiner Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär des EGB
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Sanierung von General Motors ist auch eine Herausforderung für die Gewerkschaften in Europa. «Die Kollegen wissen genau, beim nächsten Mal kann es sie treffen», sagte EGB-Vize Hoffmann der Netzeitung.

Die Arbeitnehmer von General Motors in Europa (GME) wollen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen und eine europäische Lösung zur Sanierung finden. «Es geht nicht nur um Deutschland», sagte der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Reiner Hoffmann, am Freitag der Netzeitung. «Die Kollegen in Europa wissen genau, beim nächsten Mal kann es sie treffen.»

Inwieweit die GME-Mitarbeiter in den Werken im schwedischen Trollhättan oder auch im polnischen Gleiwitz wirklich zu Einschnitten bereit sind, ist aber ungewiss. Auf Geld oder tarifliche Vereinbarungen zu verzichten, um Arbeitsplätze im fernen Deutschland zu sichern, fällt sicher nicht leicht.

Hoffmann von EGB gibt sich dennoch optimistisch: «Wir sind viel weiter als noch vor wenigen Jahren», sagte er und verwies auf die mittlerweile rund 600 Unternehmen, die einen europäischen Betriebsrat besäßen. Es sei «nicht sehr schwierig», in einem solchen Fall europäischen Widerstand zu organisieren. Die nationale Ebene könne einfach «nicht mehr verteidigt werden».

Management hat versagt
Auch die Opel-Mitarbeiter in Polen würden sich am Dienstag an den europaweiten Protesten gegen die Sparmaßnahmen beteiligen. Ob die Mitarbeiter zu Kürzungen bereit sind, «hängt aber von den Vorschlägen ab», fügte er einschränkend hinzu. Von den Sanierungsmaßnahmen bei GME bleibt das Werk in Gleiwitz weit gehend verschont. Faktisch soll der größte Teil der Sanierung von den Werken in Deutschland getragen werden.

Heftige Kritik im Fall Opel richtete Hoffmann an das Management des Detroiter Mutterkonzerns GM: «Das Management kann nicht über die Presse über geplante Stellenstreichungen informieren.» Vorab sei «niemand» informiert worden, fügte er verärgert an und warf der Führung «Versagen» vor.

Es sei «unmöglich» von GM, einfach «Standorte in Frage zu stellen». Es hätten frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden müssen. «Lösungen mit den Arbeitnehmern sind immer nachhaltiger», betonte er. Der von GM angekündigte Abbau von 12.000 Stellen werde zudem «keinen Bestand haben». Ganz ohne einen Abbau von Arbeitsplätzen wird es aber nach Auffassung von Hoffmann nicht gehen. Diese könnten dann aber «sozialverträglich abgebaut werden».

Steinbrück ruft zur Mäßigung auf
Noch ist von der beschworenen Einheit unter den Opel-Mitarbeitern in Europa nichts zu sehen: Seit Donnerstagnachmittag sind die Opel-Arbeiter am Werk Bochum im Ausstand. Im nicht allzu fernen Rüsselsheim entschied man sich dagegen gegen Proteste.

Am kommenden Dienstag soll es an allen GM-Standorten in Europa zu Kundgebungen kommen. Wie diese aussehen sollen, wird am jeweiligen Standort entschieden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sprach sich gegen einen Arbeitskampf der Opel-Beschäftigten aus. Trotz Unruhe, Unsicherheit und Empörung rate er zur Mäßigung, weil dies in den weiteren Erörterungen bei GM sehr genau wahrgenommen werde, sagte er im Deutschlandradio Berlin.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke