Bekämpfung der Krise: 

netzeitung.deExperten halten Lohnsenkungen für sinnvoll

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Beim Maschinenbau sind Lohnsenkungen sinnvoll, glaubt ein Experte (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Beim Maschinenbau sind Lohnsenkungen sinnvoll, glaubt ein Experte
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Wie lässt sich die Konjunktur beleben? Durch Verzicht bei den Arbeitnehmern, meinen einige Wirtschafts-Wissenschaftler. Doch der Ruf nach Gehaltssenkungen ist nicht unumstritten bei Experten.

Zur Bekämpfung der Krise haben mehrere Wirtschaftswissenschaftler Arbeitnehmer zu einem Lohnverzicht aufgerufen. Damit schlossen sich die Forscher ähnlichen Forderungen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt an. Ein Lohnverzicht «sichert in Krisenzeiten ganz klar Arbeitsplätze und schützt vor Entlassungen», sagte Hagen Lesch, Ökonom vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft, der «Bild».

Niedrigere Löhne verbesserten die Gewinnsituation der Unternehmen, wodurch die Firmen wieder mehr investieren könnten, argumentierte Lesch. So seien seiner Auffassung nach Mitte der 90er Jahre durch Lohnkürzungen 900.000 Arbeitsplätze gesichert worden.

Ähnlich argumentiert Hilmar Schneider, Wirtschaftswissenschaftler vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), in der «Bild». «Um Jobs zu retten, machen Lohnkürzungen Sinn», sagte er. Unternehmer würden sich «geradezu fahrlässig» verhalten, wenn sie keinen Lohnverzicht anstreben würden.

«Unsinniger Vorschlag»
Auch der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn, machte sich via «Bild» für einen Lohnverzicht stark. Ein solches Vorgehen könne Unternehmen helfen, die ein absehbares Tal überbrücken müsste. «Beispielsweise ist bei Maschinenbaufirmen Lohnverzicht denkbar, um Jobs zu sichern und die Situation zu stabilisieren», wurde Döhrn zitiert.

Dagegen nannte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger die Lohnsenkungsidee von Arbeitgeberpräsident Hundt einen «unsinnigen Vorschlag». «Herr Hundt sollte sich anschauen, wie die Krise 1930 in Deutschland bekämpft wurde: Mit Brünings Sparpolitik und Lohnsenkungen», sagte Bofinger der «Passauer Neuen Presse». Die Löhne für Facharbeiter seien damals um 20 Prozent gesenkt worden. «Das Ergebnis dieser Politik ist bekannt», erklärte Bofinger. «Deutschland in den 30er Jahren ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie man es nicht machen sollte.»

Auch den Verzicht auf einen Urlaubstag hält Bofinger nicht für sinnvoll. Der Professor der Uni Würzburg widersprach einer entsprechenden Forderung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Er sagte der «Passauer Neuen Presse»: «Das ist eher ein Beitrag zur Steigerung der Arbeitslosigkeit. Wir haben zu wenig Arbeit und führen Kurzarbeit ein, um die Leute in Beschäftigung zu halten. Wenn sie jetzt länger arbeiten sollten, wäre das kontraproduktiv.» (nz/AP)