«Desaströse Nachwirkungen»:
Abwrackblase droht 2010 zu platzen
02.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Euphorische Zahlen aus der Autobranche: Die Neuzulassungen erreichten im Juni den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Doch der Absturz ist schon abzusehen.
Die Abwrackprämie treibt den Autoabsatz in Deutschland auf ein Zehnjahres-Hoch. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet für 2009 mit 3,5 Millionen Neuwagen, rund 600.000 mehr als noch Ende 2008 erwartet. Wegen der staatlichen Kaufanreize erreichten die Neuzulassungen mit 427.000 Fahrzeugen den höchsten Juni-Wert seit der Wiedervereinigung. Das entspricht einem Plus von 40 Prozent im Vorjahresvergleich.
Doch nach dem Kaufrausch droht die Ernüchterung: VDA-Präsident Matthias Wissmann warnte denn auch vor Euphorie: «Dieses hohe Niveau wird im kommenden Jahr sicherlich nicht einfach fortgeschrieben werden können.» Zudem seien die Absatzmärkte im Ausland entscheidend. Dort sei die Lage trotz erster Anzeichen einer Besserung keinesfalls rosig. «Wenn der Weltmarkt dümpelt, können Sie so gut sein wie sie wollen, dann leiden Sie unter diesem Weltmarkt massiv, und das tun wir.»
«Desaströse» Nachwirkungen Experten warnen vor diesem Hintergrund vor einem Absturz 2010 und sprechen mit Blick auf die Abwrackprämie nur von einem Strohfeuer. Fachleute rechnen mit einem Einbruch des deutschen Marktes um eine Million Stück oder über 30 Prozent. Wenn bis dahin der Export nicht wieder anspringt, dürften viele Montagebänder stillstehen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor der Universität Duisburg- Essen, fürchtet, dass das absehbare Ende der Abwrackprämie für die deutschen Automobilhersteller und die Importeure zudem «desaströse Nachhall- Effekte» bewirkt. Zugleich warnte er aber davor, die Abwrackprämie zu verlängern. «Sie hat jetzt schon den Markt in Deutschland so durcheinandergebracht, dass weitere Abwrackprämien tödlich wären.»
Auf wichtigen Auslandsmärkten werde sich die Lage wegen staatlicher Kaufanreize wie Abwrackprämien stabilisieren, meint Wissmann. «Die Bodenbildung ist da, ein langsamer Aufstieg ist möglich», sagte Wissmann, betonte aber auch: «Es wird ein steiniger und schwieriger Weg des Wiederaufstieges.»
VW und Opel profitierenIm gesamten ersten Halbjahr 2009 stieg die Zahl der Neuzulassungen um 26 Prozent auf 2,06 Millionen. «Diese Entwicklung ist natürlich auf die Wirkungen der Neuordnung der Kfz-Steuer und der Umweltprämie zurückzuführen», sagte Wissmann. Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise stärkten diese Anreize die Inlandsnachfrage vor allem bei Kleinwagen und der Kompaktklasse. 98 Prozent des gesamten Marktzuwachses entfallen laut Wissmann auf diese Kategorie. Auf die Frage, ob der Verband eine Verlängerung der Abwrackprämie fordern werde, sagte er: «Das haben wir nicht vor.»
Große Gewinner sind nach amtlichen Zulassungszahlen die Hersteller VW (plus 52 Prozent im Juni), Opel (plus 56) und Ford (plus 41) und die Importeure. Aber auch die bisher gebeutelten Luxushersteller Mercedes (plus 7 Prozent), BMW (plus 15 Prozent) und Audi (plus 18 Prozent) ziehen wieder an. (dpa/AP/nz)