Kampf gegen Kreditklemme: 

netzeitung.deEZB stellt Banken Rekordsumme zur Verfügung

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Sitz der EZB in Frankfurt am Main (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sitz der EZB in Frankfurt am Main
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Zentralbank hat Geschäftsbanken in der Eurozone die bisher höchste Geldsumme zugeteilt, um das schleppende Kreditgeschäft anzukurbeln. Analysten bezweifeln indes, dass diese Wirkung wirklich eintreten wird.

Die Europäische Zentralbank hat den Markt mit der höchsten Refinanzierungsgeschäft ihrer Geschichte geflutet. Wie die EZB am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, wurden den Banken der Eurozone rund 442,24 Milliarden Euro zugeteilt. Das Geschäft hat erstmals eine Laufzeit von einem Jahr.

Normalerweise haben die EZB-Geschäfte deutlich kürzere Laufzeiten von oft nur einer Woche. Im Frühjahr hatte die Notenbank aber angekündigt, angesichts der Krise an den Finanzmärkten außerordentlich lange Laufzeiten anzubieten. Das Interesse an dem Refi-Geschäft war enorm: Insgesamt gaben den Angaben zufolge 1121 Banken Gebote ab, um sich für ein Prozent Zinsen frisches Geld zu beschaffen. Es wurden alle Gebote befriedigt, im Gegensatz zu den üblichen Zentralbank-Auktionen vor der Krise war das Geldangebot in der Menge nicht begrenzt.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) begrüßte die Maßnahme. «Die EZB tut das, was jetzt richtig und notwendig ist, um auch eine Kreditklemme zu vermeiden», sagte Steinbrück in Berlin. Es gebe in Deutschland keinen Grund, Kredite zu verweigern, weil angeblich nicht genügend Kapital vorhanden sei. Dies sage er deutschen Banken «sehr deutlich». Die Notenbank habe alles getan, um die Kreditversorgung sicherzustellen.

WestLB-Experten bezweifeln Wirkung
Dagegen äußerten sich die Experten von der WestLB kritisch zu dem EZB-Geschäft. Mit der hohen Zuteilung verliere die Notenbank deutlich an geldpolitischer Flexibilität, schrieben die Analysten in einer Studie vom Mittwoch. Damit beeinträchtige die EZB auch die «Exit-Strategie» aus der aktuell hohen Liquidität am Geldmarkt. Das Gesamtvolumen der Refinanzierungsgeschäfte sei mit dem neuen Jahrestender auf knapp 900 Milliarden Euro gestiegen und damit in die Nähe der Höchstwerte in der Finanzkrise.

Ob sich die Kreditvergabe an die Unternehmen erhöhe, bleibe aber «mehr als fraglich», hieß es weiter. So sei weniger der Mangel an Liquidität für die zurückhaltende Kreditvergabe verantwortlich, als vielmehr das knappe Eigenkapital der Banken und die hohe Risikoscheu. Zudem leide die Bonität der Unternehmen unter der Wirtschaftskrise. «In dieser Phase dürften sich sowohl Kreditgeber als auch Kreditnehmern zweimal überlegen, ob eine Investition sinnvoll ist.»

Andere kritisierten an dem Stützungsprogramm, dass angesichts der zunehmenden Entspannung an den Märkten solche gigantischen Geschäfte derzeit nicht notwendig seien. Die Banken würden sich damit nur billig Geld beschaffen, es aber wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Am Mittwoch bemängelte der Verband der Automobilindustrie (VDA) die nach wie vor zögerliche Kreditvergabe vieler Banken speziell an Zulieferbetriebe.

Angesichts der enormen Liquidität – auch im Zuge der Anti-Krisenprogramme – fürchten Fachleute zudem mittelfristig die Gefahr deutlicher Preissteigerungen. Auf mittlere Sicht stellt sich damit die Frage, wie die Liquidität wieder aus dem Markt genommen wird, um eine gewaltige weltweite Inflation zu vermeiden. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 haben die Zentralbanken weltweit mehrfach Milliardenbeträge in die Geldmärkte gepumpt, weil der Geldhandel zwischen den Banken zeitweise zum Erliegen gekommen war. Zudem senkte die EZB seit Oktober 2008 den Leitzins schrittweise auf inzwischen nur noch 1,0 Prozent. (dpa-AFX/nz)