ZEW-Indikator steigt auf überraschend hohen Wert:
Unerwartet gute Stimmung unter Finanzexperten
16.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
ZEW-Präsident Wolfgang Franz warnt davor, den Optimismus im Keim zu ersticken.
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Vorsichtiger Optimismus: In der Finanzbranche wächst nicht nur die Hoffnung auf ein baldiges Ende der konjunkturellen Talfahrt, sondern auch das Vertrauen in den Bankensektor. Das wäre gut für die Kreditvergabe, meint ZEW-Präsident Franz.
Die kräftige Stimmungsaufhellung unter deutschen Finanzexperten im Juni stärkt die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Stabilisierung im zweiten Halbjahr 2009. Der Optimismus über eine konjunkturelle Erholung gewinne mit dem deutlichen Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen an Breite, kommentierte die Postbank jüngste Umfrageergebnisse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das Institut hatte am Dienstag einen Zuwachs der Konjunkturerwartungen um 13,7 Punkte auf 44,8 Punkte mitgeteilt. Volkswirte hatten mit einer moderateren Aufhellung auf lediglich 37,6 Punkte gerechnet.
Damit rangiert das Stimmungsbarometer auf dem höchsten Stand seit gut drei Jahren. Optimistisch stimmte Experten darüber hinaus, dass die Beurteilung der aktuellen Lage erstmals seit September 2008 - dem Höhepunkt der Finanzkrise - wieder zulegen konnte. Der Lageindex stieg im Juni um 3,1 Punkte auf minus 89,7 Zähler. «Die erneute Erholung der Konjunkturerwartungen signalisiert, dass der Optimismus sich festigt, obwohl Industrieproduktion und Auftragseingänge noch keine klare Aufwärtsbewegung zeigen», kommentierte das ZEW die Ergebnisse.
Trotz Optimismus noch schwieriger Weg aus RezessionBemerkenswert ist laut ZEW auch der Umstand, dass die befragten Experten zunehmendes Vertrauen in die Entwicklung des Bankensektors zeigten. Dies könne als positives Signal für die Kreditvergabekonditionen der Banken gewertet werden. «Die Einschätzungen der Experten deuten darauf hin, dass die Abwärtsdynamik in diesen Wochen zum Stillstand kommt, und sie sehen Erholungstendenzen zum Ende des Jahres», sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Dieser vorsichtige Optimismus sollte nicht durch übermäßig pessimistische Mutmaßungen bereits im Keim erstickt werden, warnte er.
Trotz des Optimismus dürfte der Weg aus der Rezession beschwerlich sein, schränkte die Postbank ein. So hätten etwa die jüngsten Daten aus der Industrie verdeutlicht, dass mit Rückschlägen zu rechnen sei. Mit zunehmender Wirkung der Konjunkturpakete und der geldpolitischen Impulse sollte es aber zu einer moderaten Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr kommen. Die UniCredit weist zudem darauf hin, dass der ZEW-Index die tatsächliche Entwicklung der Konjunktur lange nicht so gut prognostiziere wie etwa das ifo-Geschäftsklima.
Positive Reaktion an den BörsenAn den Finanzmärkten waren die Reaktionen auf die ZEW-Umfrage positiv. So legte der Euro kurz nach den Zahlen um über einen halben Cent zu und stieg zeitweise über 1,39 US-Dollar. Auch der deutsche Aktienmarkt legte zu und drehte leicht ins Plus. Die deutschen Anleihen reagierten zunächst mit Kursverlusten, fingen sich im weiteren Verlauf aber wieder. (dpa-AFX)