11.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Zahl der Arbeitslosen wird wohl bis Jahresende die Vier-Millionen-Grenze reißen.
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Der Konjunkturabsturz in Deutschland und in der Welt könnte nach Ansicht von Wirtschaftsexperten schon bald seinen Tiefpunkt erreicht haben. Auf dem Arbeitsmarkt steht das Schlimmste allerdings noch bevor, warnt ZEW-Chef Franz.
Nach monatelangen Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft verbreiten Ökonomen inzwischen gedämpften Optimismus. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet von Mitte 2010 an wieder positive Wachstumsraten im Euro-Raum. Nach einem «extrem schwachen» ersten Quartal werde die Wirtschaftstätigkeit im weiteren Verlauf des Jahres 2009 weitaus weniger negativ ausfallen, teilte die Zentralbank in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für Juni mit. Bei einem moderaten Inflationsdruck sei die Preisstabilität auf mittlere Sicht gewährleistet.
Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) gibt sich etwas zuversichtlicher: Der Tiefpunkt der Weltproduktion sei nach einer «ungebremsten Talfahrt» erreicht. «Inzwischen deutet jedoch vieles darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr 2009 fängt», schreibt das IfW in einer am Donnerstag veröffentlichten Prognose. Angesichts bestehender Belastungsfaktoren erwarte man jedoch nur eine «allmähliche Erholung».
Für das laufende Jahr erwartet das IfW einen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,5 Prozent. Im März war noch lediglich ein Rückgang von 0,8 Prozent vorhergesagt worden. Für das kommende Jahr hob das IfW jedoch seine Prognose von bisher plus 2,1 Prozent auf 2,3 Prozent leicht an. Die Wachstumsprognose für Deutschland für 2009 wurde zwar deutlich von minus 3,7 Prozent auf minus 6,0 Prozent gesenkt, für 2010 hoben die Experten ihren Ausblick allerdings von minus 0,1 auf plus 0,4 Prozent an.
Mehr als vier Millionen Arbeitslose Auch der Vorsitzende des Sachverständigenrats und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, sieht die Aussichten für die deutsche Wirtschaft nicht mehr ganz so trübe. «Ich gehe davon aus, dass der Konjunkturabsturz in diesen Wochen zum Stillstand kommt, wir also das Schlimmste hinter uns haben», sagte Franz dem Wirtschaftsmagazin «Euro». Aufgrund von «hoffnungsvollen Signalen» wie die langsam steigenden Auftragseingänge halte er weitere Konjunkturpakete in Deutschland derzeit für unnötig, schreibt das Blatt vorab am Donnerstag.
Nach seinen Prognosen für den deutschen Arbeitsmarkt befragt, sagte der Wirtschaftweise: «Hier haben wir, im Gegensatz zur Konjunktur, leider das Schlimmste noch vor uns.» Bis zum Jahresende würde die Arbeitslosenzahl wohl die Vier-Millionen-Marke reißen. Das es über fünf Millionen werden, fürchte er allerdings nicht.
Gefahr einer InflationIn Bezug auf die Preisentwicklung geht Franz für die nächsten Monate von deflationären Tendenzen aus, «die aber vor allem auf die im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken Energie- und Nahrungsmittelpreise zurückzuführen sind.» Das sei allerdings «zum Glück keine echte Deflation», die er auch nicht erwarte. Vielmehr halte er Inflationsgefahren für realistisch.
An die Adresse der EZB, die über ihre Geldpolitik die Preisentwicklung steuert, sagte Franz: «Falls aber einzelne Regierungen in Europa aus diesem Grund die EZB unter Druck setzen sollten, frei nach dem Motto ,Macht uns den Aufschwung nicht kaputt!', muss die EZB unbedingt gegenhalten und von den anderen Regierungen unterstützt werden. Sie darf sowohl ihre Unabhängigkeit als auch ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent keinesfalls aufgeben.» (dpa/AP/nz)