Exportabhängigkeit wird zur Achillesferse: 

netzeitung.deChinas «harte Landung» bedroht Weltwirtschaft

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Exportabhängigkeit wird zur Achillesferse 

Lupe Chinas «harte Landung» bedroht Weltwirtschaft

China rutscht voll in die Krise – mit Auswirkungen auf den Rest der Welt. Der Exportmotor ist derart schnell ins Stottern gekommen, dass Ökonomen kaum ein historischer Vergleich einfällt. Der Binnenkonsum kann das nicht ausgleichen.

Wie immer fahren zig Millionen Arbeiter um diese Zeit zum chinesischen Neujahrsfest Ende Januar in ihre Heimatdörfer – nur eins ist anders: Viele fahren früher als sonst, weil die Produktion in ihren Fabriken heruntergefahren wird. Viele werden nicht wiederkommen, weil sie nach den Festtagen keine Arbeit mehr haben werden. Mindestens zehn Millionen Wanderarbeiter haben schon ihre Jobs in den exportorientierten Fabriken in Ost- und Südchina verloren.

«Wir alle wissen, dass die erste Hälfte dieses Jahres für die chinesische Wirtschaft hart werden wird», sagte der Pekinger Ökonom Shen Minggao. Nach dem Rekordwachstum von 13 Prozent für 2007 dürften im zu Ende gegangenen Jahr nur neun Prozent erreicht worden sein, obwohl die Krise erst im dritten Quartal richtig spürbar wurde. Für 2009 reichen die Schätzungen von 5 bis 7,5 Prozent, was nicht nur für die aufstrebende Wirtschaftsnation China zu wenig ist.

«Ein Rückgang des chinesischen Wachstums auf 6 Prozent oder weniger hätte beträchtliche Auswirkungen auf die bereits schwache Weltwirtschaft», warnt der Bericht «Global Risk 2009» des Weltwirtschaftsforums. Er zählt eine «harte Landung Chinas» neben der desolaten Finanzlage und der Deflation zu den größten Gefahren in diesem Jahr. China leiste einen bedeutenden Beitrag zum weltweiten Wachstum. Viele Länder in Asien hätten besonders hart unter dem Abschwung in China zu leiden.

Überraschend schnelle Talfahrt
War im Sommer noch von Überhitzung die Rede, sind die wirtschaftlichen Bedingungen in China derart schnell und heftig ins Gegenteil umgeschlagen, dass Experten kaum ein historischer Vergleich einfällt. Da bietet auch die jüngste Kunde wenig Trost, dass China inzwischen Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft abgelöst hat. Jetzt rächt sich die unausgewogene Wachstumsstruktur mit der viel zu hohen Abhängigkeit von Exporten und ausländischen Investitionen.

«Chinas Ausfuhren haben gerade erst angefangen zu fallen», sagte der Experte Ben Simpfendorfer von der Royal Bank of Scotland. Mitte dieses Jahres könnten die Exporte sogar um 15 Prozent sinken. «Das Risiko eines noch größeren Rückgangs wächst.» Ein deutliches Indiz ist der massive Rückgang der Importe, da China viele Teile und Materialien für Exportwaren erst aus seinen Nachbarländern einführt.

Es fehlt an Binnenkonsum
Die Einfuhren aus asiatischen Ländern ohne Japan gingen im Dezember um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Importe aus Taiwan, die ganz besonders in die exportorientierte Produktion fließen, fielen sogar um 45 Prozent. Als Antwort auf den massiven Einbruch in der Exportwirtschaft versucht die Regierung jetzt, die heimische Nachfrage anzukurbeln. Um Zuversicht zu verbreiten, wurde ein Konjunkturprogramm von vier Billionen Yuan (heute mehr als 400 Milliarden Euro) angekündigt.

Die gigantische Zahl ist jedoch irreführend. Sie fasst nicht nur lange geplante und neue Vorhaben zusammen, sondern rechnet einfach mit, was die Geldspritze aus Peking an Investitionen von Kommunen und Banken auslösen soll. In Wirklichkeit fließen nur 1,18 Billionen Yuan (rund 130 Milliarden Euro) aus Peking.

Ob der Konsum damit ausreichend angekurbelt werden kann, ist aber ebenso fraglich wie der Stimulus für das Wachstum überhaupt. Denn der Verbrauch der Chinesen trägt nur zu 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei – halb soviel wie in den USA mit 70 Prozent. Was Amerikaner und Europäer heute weniger an Waren «Made in China» konsumieren, können auch die Chinesen nicht plötzlich wettmachen. (Andreas Landwehr, dpa)