«Wir dürfen nicht erpressbar sein»: 

netzeitung.deGasstreit löst Debatte um nationale Speicher aus

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Gasspeicher (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gasspeicher
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Der russische Gaslieferstopp hat in Deutschland eine Diskussion um staatliche Reserven losgetreten. Der Geschäftsführer der Energieagentur plädiert für alternative Pipelines und Importe aus anderen Ländern.

Angesichts des Gasstreits zwischen der Ukraine und Russland fordert die Deutsche Energieagentur (Dena) den Bau alternativer Pipelines zur sicheren Versorgung der Bundesrepublik. Als Beispiel nannte Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler in der «Berliner Zeitung» die Ostseepipeline, die Deutschland direkt mit Russland verbinden soll.

Wichtig sei aber auch der Bau der Nabucco-Pipeline, die zentralasiatisches Gas unter Umgehung von Russland über die Türkei nach Deutschland bringen könnte, sagte Kohler. Die neuen Pipelines seien nötig, da der Streit zwischen Russland und den Transitländern immer neu aufflammen könne. «Wir dürfen nicht erpressbar sein.»

Zugleich plädierte Kohler für einen vermehrten Import von Flüssiggas, um die Abhängigkeit von Russland weiter zu mindern. «Wir müssen stärker auf Flüssiggas setzen, das wir eben nicht aus Russland, sondern aus Mittelasien importieren können.» Für einen zukunftssichere Energiemix hält der Dena-Geschäftsführer aber auch Kohlekraft für unverzichtbar. «Aus meiner Sicht ist der Neubau von hocheffizienten Kohlekraftwerken unbedingt erforderlich. Wer nur auf Erdgas setzt, der verkennt das Problem.»

Einer Renaissance der Kernkraft erteilte Kohler indes eine Absage. «Ich halte es für ausreichend, wenn wir auf hocheffiziente Kohlekraftwerke, regenerative Energien und Energieeffizienz sowie neue Wege der Erdgasversorgung setzen.» Mit einer solchen Energieversorgungsstrategie sei die Nutzung der Kernenergie hinfällig.

Debatte um nationale Gasspeicher
Vor dem Hintergrund des Gasstreits ist in Deutschland auch eine Diskussion über staatliche Gasreserven entbrannt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte sich bereits in der Vergangenheit für eine nationale Gasreserve ausgesprochen, die Gaswirtschaft lehnt aber staatliche Speicher ab. «Wir brauchen keine staatlich kontrollierte, strategische Erdgasreserve wie beim Mineralöl», sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, der «Berliner Zeitung». Dies werde das Gas weiter verteuern und die Verbraucher unnötig belasten.

Auch der Experte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Carsten Rolle, sagte, Deutschland sei hinsichtlich der Gasspeicher bereits in einer «beneidenswerten Situation». Diese Speicher hätten die Unternehmen ohne staatliche Regulierung geschaffen. Dagegen fordert der Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie eine nationale Gasreserve und kalkuliert die Kosten dafür auf zwei Milliarden Euro pro Jahr. Der Gaspreis werde dadurch um etwa 0,18 Cent je Kilowattstunde steigen. (nz/AP)