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Lieferausfälle bei Minusgraden: 

Gaspipelines in Südosteuropa bleiben leer

06. Jan 2009 09:35, ergänzt 10:54
Pipeline in der Ukraine
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Ob die Türkei, Kroatien oder Österreich: Eine ganze Reihe von Ländern in Mittel- und Südosteuropa bekommt den Gasstreit zwischen Kiew und Moskau zu spüren. Sie erhalten seit Dienstag gar kein Gas aus Russland mehr.

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat nun spürbare Auswirkungen in der EU: Mehrere Länder melden Lieferausfälle. In Österreich sind am Dienstag rund 90 Prozent der russischen Gaslieferungen ausgefallen, wie der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV am Dienstag mitteilte. Der Ausfall könne allerdings durch eigene Reserven von 1,7 Milliarden Kubikmetern kompensiert werden. In Österreich werden pro Jahr laut OMV rund 8 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht, die Hälfte davon kommt aus Russland.

Auch Bulgarien erhielt in der Nacht kein Erdgas mehr, wie der Gasverteiler Bulgargas in Sofia mitteilte. Vom Lieferstopp an der ukrainisch-rumänischen Grenze seien auch Bulgariens Nachbarstaaten Griechenland, Mazedonien und die Türkei betroffen. Diese Staaten erhalten russisches Gas über bulgarische Pipelines.

Der türkische Energieminister Hilmi Güler bestätigte, dass die Lieferungen in die Türkei gestoppt seien. Die bulgarische Regierung in Sofia will auf einer Sondersitzung die Krisenlage erörtern. Der Vorstandschef von Bulgargas, Dimitar Gogov, sagte, die genauen Gründe für den Lieferstopp ab 3.30 Uhr (2.30 Uhr MEZ) seien nicht bekannt. Die Reserven in Bulgarien reichten noch einige Tage, um den Bedarf der Industrie zu decken.

Auch Kroatien ist von russischen Gaslieferungen abgeschnitten. Seit Dienstagfrüh sei der Gashahn zugedreht, berichtete das kroatische Staatsfernsehen. Der heimische Gasversorger Ina rief die Verbraucher zum Sparen auf, da die Lage «ernst und ungewiss» sei. Kroatien deckt rund 60 Prozent seines Gasverbrauchs aus eigenen Feldern, 40 Prozent mit Lieferungen aus Russland.

Streit eskaliert

Aus Rumänien hieß es derweil, man habe am Dienstag zwei Drittel weniger Gas aus Russland erhalten. Die Zufuhr russischen Erdgases nach Rumänien sei auf der ostrumänischen Haupt-Pipeline Isaccea vollständig zum Erliegen gekommen, erklärte die rumänische Gasverteilerfirma Transgaz. Demnach fallen für Rumänien von den täglichen 6,5 Millionen Kubikmetern Gas 4,1 Millionen Kubikmeter aus. Die restliche Menge importiert Rumänien aus Russland via Ukraine über eine zweite Pipeline im Nordwesten des Landes. Transgaz erklärte, die Bevölkerung sei vom Ausfall nicht betroffen, weil das Land die eigenen Reserven nutze. Lediglich Großverbraucher aus der Industrie seien aufgefordert worden, nicht mehr als die ihnen zustehende Gasmenge zu verbrauchen.

Nach Angaben des ukrainischen Gasunternehmens Naftogaz hat Russland seine Erdgaslieferungen in die EU-Länder um etwa zwei Drittel gekürzt. Der russische Gasmonopolist Gazprom habe am Dienstag nur 92 Millionen Kubikmeter Erdgas für die EU-Länder geliefert, gegenüber 221 Millionen am Montag und 300 Millionen an den Vortagen, sagte Naftogaz-Sprecher Walentin Semljanski in Kiew. «Das ist alles, was sie liefern», sagte Semljanski. «In einigen Stunden wird Europa es merken.» Von Gazprom war zunächst keine Stellungnahme zu den Angaben aus Kiew zu erhalten.

Am Montagabend hatte der Konzern mitgeteilt, dass die an die EU gelieferte Gasmenge um 65,3 Millionen Kubikmeter gekürzt werde. Eben diese Menge soll nach einer Anweisung von Russlands Regierungschef Wladimir Putin vom Montag nicht mehr durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland gepumpt werden. Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus Transitleitungen illegal abzapfe, so Putin. Kiew bestreitet dies.

Ostdeutscher Importeur: Bisher keine Engpässe

Der Vize-Chef von Gazprom, Alexander Medwedew, wird am Dienstag in Berlin erwartet. In Deutschland waren in dem am Neujahrstag ausgebrochenen Streit bisher aber keine Lieferengpässe bekanntgeworden. Am Dienstag teilte der Leipziger Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG) mit, er spüre bisher keine Auswirkungen des Gasstreits zwischen Kiew und Moskau. «Wir haben alle Lieferungen vertragsgemäß erhalten», sagte eine Sprecherin. «Die Verträge sind bisher zu 100 Prozent erfüllt worden, und unsere Speicher sind auch voll.»

VNG ist nach eigenen Angaben der drittgrößte Gasimporteur Deutschlands und beliefert vor allem Stadtwerke in Ostdeutschland. Das Unternehmen erhält 48 Prozent seiner Gaslieferungen aus Russland, neben dem Weg über die Ukraine gibt es aber auch noch eine Pipeline, die durch Weißrussland führt. Außerdem bezieht VNG Gas aus Norwegen (27 Prozent), der Rest kommt von deutschen Partnern. Außerdem seien die sechs vorhandenen Gasspeicher voll. Damit könnten die Kunden im Notfall mehrere Wochen versorgt werden. (nz/dpa/AP)
 
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