Verhärtete Fronten:
EU will im Gasstreit handeln - nicht vermitteln
05.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Gaspipeline in Russland
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer mehr Länder bekommen den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zu spüren. Die Lieferungen nach Deutschland seien indes noch nicht beeinträchtigt, versichert der Versorger RWE.
Nach dem russischen Stopp von Gaslieferungen an die Ukraine haben sich die Fronten zwischen Moskau und Kiew weiter verhärtet. Das ukrainische Unternehmen Naftogas forderte den russischen Monopolisten Gazprom zur sofortigen Wiederaufnahme der Lieferungen auf. Anderenfalls könne es zu Problemen beim Transit von russischem Gas nach Westeuropa kommen, sagte ein Sprecher in Kiew.
Inzwischen sind immer mehr Länder von den Folgen der Auseinandersetzung um russische Gaslieferungen an die Ukraine betroffen. Nach Polen, Ungarn und Rumänien meldete am Sonntag auch Tschechien, dass weniger Gas aus Russland ankomme. Auch Kroatien und die Türkei berichteten über eine Beeinträchtigung der Gasversorgung aus Russland.
EU schaltet sich in Gasstreit einDer Gasstreit zwischen Moskau und Kiew beschäftigt mittlerweile auch die Europäische Union. Eine EU-Abordnung werde am Montag in Kiew mit Vertretern der ukrainischen Seite über den Konflikt beraten, sagte ein Sprecher der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel. Spätestens am Dienstag wolle die EU-Delegation - angeführt von Tschechiens Industrie- und Handelsminister Martin Riman - auch mit Vertretern des russischen Gaskonzerns Gazprom über den Konflikt sprechen.
Bei den Gesprächen mit beiden Seiten wollten die EU-Vertreter zunächst Fakten sammeln, hieß es. Es gehe darum, einen intensiven Kontakt zu halten. Der tschechische Europaminister Alexandr Vondra hatte bereits am Samstag erklärt, die Europäische Union wolle in dem Streit «handeln, aber nicht vermitteln». Vondra hatte zuvor mit beiden Seiten über die Lage beraten.
Russland will die EU jedoch als Vermittler gewinnen. Unabhängige Beobachter sollten in der Ukraine prüfen, ob die Führung in Kiew das russische Gas unangetastet an Westeuropa weiterleitet, schlug der Monopolist Gazprom am Sonntag in einem Brief an Brüssel vor. Es gebe Hinweise, dass die Ukraine mindestens 25 Millionen Kubikmeter Gas illegal abgezapft habe, sagte Firmensprecher Sergej Kuprijanow nach Angaben der Agentur Itar-Tass.
Noch keine Auswirkungen in DeutschlandDeutschland blieb bislang von Lieferengpässen verschont: «Bislang können wir noch keine Auswirkungen feststellen», teilte der führende deutsche Erdgas-Importeur Eon Ruhrgas am Wochenende mit. «Wir bekommen das Gas, was wir bestellt haben». Am Vortag habe es in der Leitung wohl einen leichten Druckabfall gegeben. Etwa 80 Prozent des russischen Gases, das nach Deutschland komme, fließe über die Rohrleitung, die durch die Ukraine führe. Das Tochterunternehmen des Energiekonzerns Eon beliefert eine ganze Reihe von Stadtwerken und Großkunden.