Ukraine lehnt Gaspreis-Vorschlag ab: 

netzeitung.deMoskau und Kiew kommen sich nicht näher

 Herausgeber: netzeitung.de

Fließt das russische Gas noch durch die Leitung? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fließt das russische Gas noch durch die Leitung?
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wie vor 3 Jahren: Russland dreht der Ukraine den Hahn zu, und die kontert, indem sie den Gastransit nach Westeuropa «nicht mehr gewährleisten» will. Dennoch machen sich die deutschen Versorger keinen Sorgen.

Nach dem Lieferstopp von russischem Gas in die Ukraine ist in dem Energie-Streit zwischen Kiew und Moskau vorerst keine Lösung in Sicht. Eine ukrainische Regierungsdelegation will an diesem Freitag Gespräche unter anderem mit der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft über die weitere Gasversorgung Westeuropas führen, wie das Außenministerium in Kiew mitteilte.

Das ukrainische Unternehmen Naftogas hatte erklärt, man könne aus technischen Gründen den Transit von rund 21 Millionen Kubikmeter des für Westeuropa bestimmten Gases pro Tag nicht gewährleisten. Russland hatte das Transitvolumen am Donnerstag offenbar vorsorglich etwa um diese Menge auf 326 Millionen Kubikmeter täglich erhöht. Der russische Gasmonopolist Gazprom kündigte an, er werde prüfen, ob die Ukraine Gas illegal abzapft, um den Eigenbedarf zu decken.

Vor drei Jahren gab es bei einem ähnlichen Streit in Westeuropa Probleme mit der Gaslieferung, weil die Ukraine Gas gestohlen haben soll. Rund 80 Prozent des für Europa bestimmten Gases werden über ukrainisches Territorium gepumpt. Russland hatte der Ukraine am Neujahrstag den Gashahn zugedreht, weil sich beide Seiten nicht auf neue Preise und Lieferverträge einigen konnten.

Für Verbraucher im Westen bestand allerdings zunächst keine Gefahr einer Unterversorgung. Deutschland und die EU forderten beide Seiten zu einer raschen Beilegung des Konflikts auf. Auch die US-Regierung schaltete sich in den Streit ein. Das Außenministerium in Washington rief Russland und die Ukraine auf, ihren Disput «auf eine transparente, kommerzielle Weise» beizulegen. Die USA seien «besorgt» darüber, dass der russische Gasmonopolist Gazprom die Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrstag eingestellt habe, hieß es.

Deutsche Versorger geben sich sorglos
Die USA ermutigten beide Seiten, Verhandlungen über eine Vereinbarung wieder aufzunehmen, die eine zuverlässige Gaslieferung an die Ukraine und Europa sicherstelle. Auch die Bundesregierung verlangte die Einhaltung der Lieferverträge mit Europa. «Bilaterale Probleme dürfen nicht dazu führen, dass bestehenden vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Dritten nicht nachgekommen wird», hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonierte mit seinem russischen und seinem ukrainischen Amtskollegen und forderte beide Länder auf, «intensiv und konstruktiv nach einer Einigung zu suchen».

Die deutschen Versorger sicherten eine zuverlässige Belieferung ihrer Kunden zu. Es sei «nicht denkbar», dass der russische Gasmonopolist Gazprom wie im Fall der Ukraine deutsche Lieferungen kappt, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft der «Thüringer Allgemeine». Die deutschen Ferngasgesellschaften hätten mit ausländischen Lieferanten Verträge, die teilweise bis in das Jahr 2035 reichten, sagte der Sprecher. «Beide Seiten sind dabei sehr an verlässlichen Lieferbedingungen interessiert».

Ukraine will Lösung bis 7. Januar
Derweil hofft die Ukraine auf eine Einigung auf neue Preise und Lieferverträge bis zum 7. Januar. Diesen Termin nannten am Neujahrstag sowohl Präsident Viktor Juschtschenko in Kiew als auch ein Berater von Regierungschefin Julia Timoschenko, wie die Agentur Interfax meldete. Nachdem der russische Gasmonopolist Gazprom am Donnerstag die Gaslieferungen in die Ukraine gestoppt hatte, signalisierte Juschtschenko Verhandlungsbereitschaft.

Die Ukraine sei nunmehr bereit, bis zu 210 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zu zahlen, sagte Juschtschenko. Russland verlangt allerdings bisher 250 Dollar. «Ich bin überzeugt, dass noch ein paar Tage vergehen werden, bis wir eine Einigung finden», sagte der ukrainische Präsident. Russlands Preisvorschlag nannte er passend für den «europäischen Markt», aber nicht für die Ukraine.

Zudem will das finanziell angeschlagene Land von Russland künftig mehr Geld für die Durchleitung von Gas nach Westeuropa kassieren. Rund 80 Prozent des russischen Gases für Westeuropa werden über Pipelines in der Ukraine gepumpt. Die Ukraine will die Transitgebühr von 1,7 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas je 100 Kilometer auf mindestens 2 Dollar anheben. (nz/dpa/AP)