Reaktion auf die Krise: 

netzeitung.deWirtschaftsforscher will keine Prognosen mehr

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Besonders die Autoindustrie leidet unter der gegenwärtigen Krise (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Besonders die Autoindustrie leidet unter der gegenwärtigen Krise
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Steigt das Bruttosozialprodukt oder sinkt es? Die Ökonomen verwirren derzeit die Welt mit immer neuen Zahlen. Das hat der DIW-Chef eingesehen und will sich zurückhalten - aus «intellektueller Redlichkeit».

Angesichts der immer schlechter werdenden Vorhersagen für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland hat Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), beim Krisengipfel im Kanzleramt für einen vorübergehenden Prognose-Stopp plädiert.

«Wir haben im Kanzleramt darüber gesprochen, dass Ökonomen alle verwirren, wenn sie ständig neue Zahlen in die Welt setzen. Ich habe gesagt, man könnte sich vorstellen, eine Zeit lang keine Prognosen vorzulegen. Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit», sagte Zimmermann der «Financial Times Deutschland».

«In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist diese Krise so spezifisch, dass wir sie nicht erfassen können. Wir können sagen, da passiert was Schlimmes, aber wie schlimm es wird, können wir nicht sagen», sagte Zimmermann.

«Eine Art Selbstverpflichtung»
Es könne aber kein Bankenvolkswirt oder Institutsforscher gezwungen werden, auf Prognose zu verzichten. «Das wäre eine Art Selbstverpflichtung der Beteiligten.»

Das Bundeswirtschaftsministerium indes kann das Prognostizieren nicht lassen. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, dass das Ressort einen Konjunktureinbruch um drei Prozent im kommenden Jahr für «nicht unrealistisch» hält.

In einem internen Vermerk des Ministeriums werde zur Begründung auf Prognosen von Forschungsinstituten verwiesen, die einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von bis zu drei Prozent statt bisher zwei Prozent vorhersagen könnten, berichtet die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe. Aus heutiger Sicht seien «solche noch ungünstigeren Prognosen nicht unrealistisch» heiße es in dem Vermerk.

Neuer Konjunkturgipfel am 12. Januar
Inzwischen wird deutlich, dass die Regierung weitere Maßnahmen zur Konjunktur-Belebung plant. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, dass ein weiteres Paket der Koalition vorbereitet werde.

Die «Frankfurter Rundschau» berichtete aus hochrangigen Regierungskreisen, Union und SPD wollten bei einer zusätzlichen Sitzung des Koalitionsausschusses am 12. Januar über die Eckpunkte für ein zweites Konjunkturpaket entscheiden. Das Paket solle neben Infrastrukturinvestitionen auch Elemente zur Nachfragestärkung enthalten und werde ein Mindestvolumen von 20 Milliarden Euro haben. (nz/dpa/AP)