04. Dez 2008 13:30
Stockholm setzt die EZB unter Druck: Die schwedische Notenbank hat den Leitzins in einem Schritt fast halbiert. Jetzt ist die Zentralbank in Frankfurt fast gezwungen nachzuziehen - will sie die Märkte nicht gewaltig enttäuschen.
Die Riksbank begründete die Entscheidung in Stockholm mit der schlechteren Lage bei Produktion und Beschäftigung. Seit Oktober sei ein unerwartet schneller und deutlicher Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu verzeichnen, erläuterte Riksbank-Gouverneur Stefan Ingves. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Zugleich geht die Notenbank davon aus, dass nach dem gewaltigen Zinsschritt keine weiteren Senkungen im nächsten Jahr mehr nötig sind.Der deutliche Zinsschritt sorgte an Europas Börsen für gute Stimmung: Der Dax gewann mehr als drei Prozent, der britische FTSE-Index stieg um fast zwei Prozent. Die schwedischen Notenbanker setzen damit zugleich die EZB unter Druck: Ihr Rat verkündet am frühen Nachmittag, wie stark sie die Zinsen senken wird. Dass sie den Schritt gehen wird, gilt als ausgemacht – wegen der Rezession in vielen europäischen Ländern. Zugleich hat der Inflationsdruck deutlich nachgelassen, so dass die Zentralbank Spielräume hat, die Zinszügel zu lockern. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte bereits eine Zinssenkung in Aussicht gestellt.