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Druck auf EZB wächst: 

Schweden beschließt historische Zinssenkung

04. Dez 2008 13:30
Schweden hat den Leitzins gesenkt - jetzt ist EZB-Präsident Trichet am Zug.
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Stockholm setzt die EZB unter Druck: Die schwedische Notenbank hat den Leitzins in einem Schritt fast halbiert. Jetzt ist die Zentralbank in Frankfurt fast gezwungen nachzuziehen - will sie die Märkte nicht gewaltig enttäuschen.

Die schwedische Riksbank ist vorgeprescht und hat eine Marke gesetzt, an der sich am Nachmittag die Europäische Zentralbank (EZB) wird messen lassen müssen: Schwedens Notenbank hat den Leitzins am Donnerstagvormittag gleich um 1,75 Punkte auf 2,0 Prozent gesenkt – also den Zins fast halbiert. Das ist die mit Abstand größte Zinssenkung in der Geschichte der Riksbank. Sie kam zudem unerwartet: Am Markt wurde mit einer Reduktion um 1,0 Punkte gerechnet.

Die Riksbank begründete die Entscheidung in Stockholm mit der schlechteren Lage bei Produktion und Beschäftigung. Seit Oktober sei ein unerwartet schneller und deutlicher Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu verzeichnen, erläuterte Riksbank-Gouverneur Stefan Ingves. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Zugleich geht die Notenbank davon aus, dass nach dem gewaltigen Zinsschritt keine weiteren Senkungen im nächsten Jahr mehr nötig sind.

Der deutliche Zinsschritt sorgte an Europas Börsen für gute Stimmung: Der Dax gewann mehr als drei Prozent, der britische FTSE-Index stieg um fast zwei Prozent. Die schwedischen Notenbanker setzen damit zugleich die EZB unter Druck: Ihr Rat verkündet am frühen Nachmittag, wie stark sie die Zinsen senken wird. Dass sie den Schritt gehen wird, gilt als ausgemacht – wegen der Rezession in vielen europäischen Ländern. Zugleich hat der Inflationsdruck deutlich nachgelassen, so dass die Zentralbank Spielräume hat, die Zinszügel zu lockern. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte bereits eine Zinssenkung in Aussicht gestellt.

EZB wird Prognose drastisch senken

«Die Riksbank in Schweden hat den Leitzins um 0,75 Prozent stärker gesenkt als erwartet», sagte ein Börsenhändler. «Das schürt die Hoffnung, dass die EZB die Zinsen ebenfalls viel stärker senkt als bisher erwartet.» Am Markt gilt eine Rücknahme um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent als sicher. Allerdings halten Ökonomen auch einen größeren Schritt nach unten um 0,75 Punkte für möglich. Das wäre – wie in Stockholm – historisch: Es wäre der größte Zinsschritt der EZB seit ihrer Gründung vor zehn Jahren. Wegen der Finanzkrise hatte die Notenbank den Leitzins bereits im Oktober und November um jeweils 0,50 Punkte zurückgenommen.

Mit niedrigeren Zinsen will die Notenbank Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligen und die Wirtschaft anschieben. Zugleich legt die EZB ihre neue Wachstumsprognose vor. Sie dürfte ihren optimistischen Ausblick stark zurücknehmen und für 2009 statt eines Wachstums von 1,2 Prozent ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von rund 0,8 Prozent vorhersagen. (nz)

 
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