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Abschwung und Preisspirale: 

Übertriebende Angst vorm Deflationsgespenst

04. Dez 2008 11:18
Die Benzinpreise sind gefallen - aber ist das dann gleich Deflation?
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Die Inflationsangst war gestern – jetzt malen einige den Deflations-Teufel an die Wand. Kontinuierlich sinkende Preise verstärken den bestehenden Abschwung noch. Sebastian Wolff analysiert, wie groß die Gefahr ist.

Noch vor ein paar Monaten war das Thema Inflation die größte Sorge der Ökonomen. Unter den rasant gestiegenen Preisen für Rohstoffe, Energie und Lebensmittel litten nicht nur Industrie und Verbraucher, sondern auch die Verantwortlichen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Sie konnten nicht wie sonst üblich die schwächelnde Konjunktur mit Zinssenkungen stützen, weil sie aufgrund der hohen Inflationsrate weitere Preissteigerungen befürchten mussten. Schließlich führen niedrigere Zinsen normalerweise zu steigenden Preisen, weil mehr Geld in Umlauf kommt, sich aber an der Menge der Waren und Dienstleistungen zunächst nichts ändert.

Jetzt aber könnte alles anders sein. Mit dem Absturz des Ölpreises scheint die Inflationsgefahr schlagartig gebannt. Doch: Grund zum Aufatmen ist das nicht, warnen einige Ökonomen. Denn die Inflation sei nur einem noch viel größerem Schreckgespenst gewichen: der Deflation.

Erst Deflation, dann Depression

Tatsächlich ist für eine Volkswirtschaft ein größeres Übel kaum vorstellbar. Denn eine Deflation, also eine lang anhaltende Phase mit kontinuierlich sinkenden Preisen, führt dazu, dass Unternehmen Investitionen drosseln und Verbraucher Anschaffungen aufschieben. Sie können ja davon ausgehen, dass es für sie umso billiger wird, je länger sie warten. Die Gefahr ist deshalb groß, dass eine Deflation zu einem dramatischen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten führt, also zu einer Depression.

Zu denjenigen, die das Deflationsgespenst an die Wand malen, zählt auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). «Das ist angesichts der schnell fallenden Preise für Rohstoffe und des Umstandes, dass die Rezession die Nachfrage drückt, ein reales Risiko, dem wir ins Auge sehen müssen», mahnte der stellvertretende OECD-Generaldirektor Pier Carlo Padoan.

«Jetzt nicht Deflationspanik schüren»

Indes gibt es weiterhin Ökonomen, die dagegenhalten und ein Deflationsszenario für wenig wahrscheinlich halten. Stefan Schneider von der Deutschen Bank zum Beispiel hält die Sorge für völlig übertrieben. Denn der Rückgang der Teuerungsraten sei eben ausschließlich die Folge der fallenden Öl- und Rohstoffpreise. In anderen Bereichen seien die Preise stabil, bei den Mieten gebe es sogar einen klaren Aufwärtstrend.

Wenn die Inflationsraten dank der sinkenden Ölpreise zurückgehen, dann sei das in Krisenzeiten wie diesen eine Entlastung, über die wir uns freuen sollten, meint der Deutsche-Bank-Ökonom. Ähnlich sieht das Volker Hofmann vom Bankenverband: «Wir sollten jetzt nicht von einem Extrem ins andere fallen und nach der Inflationsangst die Deflationspanik schüren.»

Spielräume für Zinssenkung

Eines jedenfalls lässt sich nicht bestreiten: Für die Notenbanken kommt das Thema Deflation - egal ob es sich um eine übertriebene Angst oder eine tatsächliche Gefahr handelt - durchaus gelegen. Insbesondere der EZB eröffnet es nun endlich die Möglichkeit, guten Gewissens die Zinsen deutlich zu senken.

Denn damit hat sie jetzt die Chance, gleich zwei Dinge auf einmal zu erreichen: Zum einen kann sie durch das billigere Geld, das sie den Banken zur Verfügung stellt, dazu beitragen, die Konjunktur zu beleben. Zum anderen dämpft das auf diese Weise zusätzlich in den Wirtschaftskreislauf gelangende Geld die Deflationsrisiken. Diese Geldschwemme, so ist zu vermuten, wird das Deflationsgespenst bald wieder verjagen - und wieder neue Inflationssorgen aufkommen lassen.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der Berliner Zeitung

 
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