23.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bei Kaupthing sieht es düster aus
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Sorge bei deutschen Sparern mit Konten bei der isländischen Bank war groß gewesen. Seit einigen Wochen kommen sie nicht mehr an ihr Geld. Nun hat Finanzminister Steinbrück Hilfe zugesagt.
Aufatmen bei Tausenden Kleinsparern: Deutsche Kunden der isländischen Bank Kaupthing bekommen ihre Einlagen vollständig zurück. In dem Sonderfall sei gemeinsam mit den Niederlanden und Großbritannien eine Lösung gefunden worden, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dem «Tagesspiegel am Sonntag».
Demnach handelt sich um rund 308 Millionen Euro, die deutsche Kunden bei der Bank angelegt haben. Der isländische Einlagensicherungsfonds werde mit deutscher Unterstützung das Geld an die Kunden auszahlen. Island ist wie kaum ein anderes Land von der Finanzkrise betroffen. Die Details zur Auszahlung organisiert der isländische Fonds, wie der Sprecher des Ministeriums, Stefan Olbermann, am Samstagabend sagte. «Ich gehe davon aus, dass es noch eine gewisse Zeit dauern wird.»
Geld aus dem BundeshaushaltDie Bundesrepublik gewährt demnach dem isländischen Einlagensicherungsfonds einen Kredit in Höhe der 308 Millionen Euro. Das Geld soll aus dem Bundeshaushalt kommen. Bei Kaupthing haben etwa 30.000 deutsche Sparer Geld angelegt. Wochenlang gab es Befürchtungen, dass sie zumindest ein Teil ihres Geldes verlieren könnten. Zwar gehört die Bank dem isländischen Einlagensicherungsfonds an. Er schützt aber nur Guthaben bis zu 20.887 Euro ab und auch nur, wenn die Gesamtsumme des Fonds ausreicht.
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin verhängte bereits im Oktober ein Moratorium gegen die deutsche Kaupthing-Niederlassung in Frankfurt am Main. Um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern, darf das Geldinstitut Kundengeld weder annehmen noch auszahlen. Die Bank hatte auch in Deutschland mit besonders hohen Zinsen für Tagesgeldkonten geworben.
Polizei mit Pfefferspray gegen DemonstrantenDie kleine Inselnation Island ist wie kaum ein anderes Land von der Finanzkrise getroffen und bewegt sich am Rande des Staatsbankrottes. In der isländischen Hauptstadt kam es am Samstag zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hunderten Demonstranten und der Polizei. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein, einige der Protestierenden mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Demonstranten hatten versucht, in eine Polizeiwache in Reykjavik einzudringen, wo sie einen seit Freitag dort festgehaltenen Mann befreien wollten. Die Lage beruhigte sich schließlich, als der Festgenommene auf Kaution freigelassen wurde. In Island ist es in den vergangenen Wochen zu zahlreichen Protesten gekommen, nachdem die Wirtschaft des Landes im Zuge der weltweiten Finanzkrise nahezu zusammengebrochen ist.
Die Banken hatten viel Geld im Ausland investiert und sind inzwischen verstaatlicht. Die Institute spekulierten mit Summen, die die Wirtschaftsleistung des 320.000 Einwohner zählenden Staates um ein Vielfaches überstiegen. Island bekommt Milliardenhilfen vom Internationalen Währungsfonds und mehreren skandinavischen Ländern. Wegen der Finanzkrise haben bereits viele deutsche Kleinanleger Geld verloren. So wurden Schuldverschreibungen der US-Investmentbank Lehman Brothers wertlos, als das Institut im September in den Konkurs ging. Die Zertifikate wurden auch von deutschen Banken verkauft.
(AP)