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Nach Fehlspekulationen: 

Merckle verzichtet auf Staatsgeld

18. Nov 2008 22:41
Adolf Merckle verzichtet auf eine Staatsbürgschaft Foto: dpa
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Der von hohen Börsenverlusten betroffene Unternehmer hat keinen Antrag auf Bürgschaft beim Land Baden-Württemberg gestellt. Und das, obwohl Merckle Liquiditätsprobleme einräumen musste.

Der von Börsenverlusten in Milliardenhöhe betroffene Unternehmer Adolf Merckle versucht, ohne Staatsgeld sein Firmenimperium zu retten. Nach einem Gespräch mit Merckle sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) «Wir sind zuversichtlich, dass die Banken und das Unternehmen eine tragfähige Lösung finden.» Der Unternehmer habe keinen Antrag auf eine Landesbürgschaft gestellt.

An dem Gespräch von Pfister und Merckle hatte auf Wunsch von Ministerpräsident Günther Oettinger auch Finanzminister Willi Stächele (beide CDU) teilgenommen. Merckle soll bei Spekulationen mit VW-Aktien mehr als eine Milliarde Euro verloren haben. Es kursieren auch Gerüchte über den Verkauf des zur Merckle-Gruppe gehörenden Ulmer Generika-Herstellers ratiopharm.

«Es gibt bisher keine Festlegung»

Oettinger hatte sich zuvor bereits zurückhaltend hinsichtlich möglicher Hilfen des Landes für Merckle geäußert: «Wir werden dieses Thema intensiv aber zurückhaltend verfolgen. Es gibt bisher keine Festlegung.» Der Regierungschef betonte: «Die Arbeitnehmer dürfen nicht die Dummen sein bei einem Verschulden der Geschäftsleitung.»

Der Geschäftsführer der zur Merckle-Gruppe gehörenden Vem Vermögensverwaltung sprach von Liquiditätsproblemen. «Unter den extremen Turbulenzen auf den Finanzmärkten in den letzten Wochen hat auch die Vem gelitten», teilte Ludwig Merckle am Dienstag auf Anfrage mit. Bei der Spekulation auf einen sinkenden VW-Kurs habe man falsch gelegen, sagte er der «Südwest Presse».

Möglicher Verkauf von Ratiopharm

Die Verhandlungen mit den Banken zur Stabilisierung der Situation seien weit fortgeschritten, teilte er weiter mit. Rund 40 Banken sollen sich an den Kredit-Verhandlungen beteiligen. Darunter seien die Commerzbank, die LBBW und die Royal Bank of Scotland, hieß es.

«Unterschiedliche Optionen werden geprüft, um eine geordnete Rückführung der Verbindlichkeiten zu gewährleisten», teilte Merckle weiter mit. Ein Prüfauftrag für einen Verkauf von ratiopharm sei aber noch nicht erteilt worden, sagte er der «Südwest Presse». Dem Vernehmen nach werde allerdings bereits seit rund vier Wochen in Finanzkreisen über einen möglichen Verkauf von Ratiopharm diskutiert.

Rund 100.000 Beschäftigte in der Merckle-Gruppe

Mit dem Verkauf des Pharmaherstellers soll auch dem ebenfalls zur Merckle-Gruppe gehörenden Baustoffhersteller HeidelbergCement aus den roten Zahlen geholfen werden. Als Käufer wurden die israelische Teva- Gruppe und der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis gehandelt. Die Summe soll bei bis zu 5,4 Milliarden Euro liegen.

Die Merckle-Gruppe mit etwa 100.000 Mitarbeitern macht jährlich insgesamt rund 30 Milliarden Euro Umsatz. Sie soll mehr als 16 Milliarden Euro Finanzschulden haben. Adolf Merckles Privatvermögen wird auf 9,2 Milliarden Dollar geschätzt. (dpa)

 
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