Düstere Aussichten: 

netzeitung.deDie deutsche Konjunktur bricht ein

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Wenn die Wirtschaft schrumpft, werden die Anleger noch nervöser (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wenn die Wirtschaft schrumpft, werden die Anleger noch nervöser
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Mit Rezessionen hatte die Bundesrepublik zuletzt 1993 und 2003 zu kämpfen. Damals war die Wirtschaft allerdings nicht zusätzlich mit einer Bankenkrise und einer Immobilienkrise belastet.

Die Schockwellen der Finanzkrise haben die deutsche Wirtschaft abgewürgt. Nach den starken Jahren 2006 und 2007 mit über zwei Prozent Wachstum ist die Wirtschaft in die Rezession gerutscht. Von Juli bis September schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und verringerte sich damit erstmals seit fünf Jahren wieder in zwei Quartalen in Folge. Die Aussichten sind düster: Für das nächste Jahr erwarten Ökonomen ein Minus von rund einem Prozent.

Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschland in der Rezession steckt. Schon in den 70er Jahren schwächelte die Wirtschaft nach den Ölkrisen ebenso wie zum Ende des Wiedervereinigungsbooms 1993. Zuletzt wurde 2003 nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes ein Minus verzeichnet. Doch diesmal ist die Lage verzwickter: Eine Bankenkrise dieses Ausmaßes gab es zuletzt in den 30er Jahren. Noch nie gab es zugleich eine Immobilienkrise und noch nie waren so viele Staaten betroffen.

«Die Rezession wird schmerzhafter sein als jene nach 2001 und die Erholung wird schleppender verlaufen», sagt der Volkswirt der DekaBank, Andreas Scheuerle. «Denn die Aufräumarbeiten in den Ruinen der Finanz- und Immobilienmärkte werden einige Zeit in Anspruch nehmen.» Deshalb erwarten die meisten Ökonomen, dass die Wirtschaft zum Jahresende weiter in den Abschwung schlittert. Wegen des starken Auftakts dürfte das Wachstum 2008 aber 1,7 Prozent betragen – trotz allem noch das fünfte Wachstumsjahr in Folge.

Nur vorübergehend düster
Nach der harten Landung dürfte sich die Wirtschaft in der zweiten Hälfte 2009 wieder erholen und 2010 wachsen. Die Aussichten sind somit nur vorübergehend düster. «Zu einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren wird es nicht kommen», schreiben die fünf Wirtschaftsweisen in ihrem Jahresgutachten. Im Kampf gegen die Finanzkrise hätten die Notenbanken – anders als in den 30er Jahren – rasch mit Zinssenkungen geholfen und die Regierungen mit Konjunkturpaketen eingegriffen.

Die Bundesregierung kämpft mit einem historisch einmaligen Banken-Rettungspaket von fast 500 Milliarden Euro gegen die Krise. Zudem soll ein Konjunkturprogramm Investitionen von rund 50 Milliarden Euro anstoßen und nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) «eine Brücke bauen» bis zu den Zeiten, in denen sich der Aufschwung fortsetzt. Trotz mancher Kritik ist das Echo überwiegend positiv. «Die Konjunkturprogramme der Bundesregierung können eine langjährige Depression wie zum Beispiel in Japan verhindern», sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Wirtschaft leidet überdurchschnittlich
Der Exportweltmeister Deutschland wurde im Sommer vor allem vom Wegbrechen der wichtigsten Exportmärkte in Westeuropa hart getroffen. «In guten Zeiten profitierte Deutschland überdurchschnittlich vom globalen Wirtschaftsboom – aber in schlechten Zeiten leidet die wichtigste Volkswirtschaft Europas auch überdurchschnittlich», sagt Holger Schmieding von der Bank of America. Die Ausfuhren hatten zuletzt einen Umfang von fast der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts, der Überschuss in der Außenhandelsbilanz rund acht Prozent.

Aber auch der zweite Pfeiler des Aufschwungs, die Ausrüstungsinvestitionen der Firmen, schwankt. Wegen der Finanzkrise, verschärften Kreditkonditionen und einem schwachen Konsum fehlt den Firmen ein Anreiz, Anlagen und Maschinen zu kaufen. Da hilft auch nur wenig, dass der starke Euro sinkt und deutsche Waren im außereuropäischen Ausland günstiger zu haben sind.

Bundesbankchef: «Nicht in Hysterie verfallen»
Im Sturm der Finanzkrise ist auch der Konsum, der zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht, kein Rettungsanker. Der private Verbrauch legte im dritten Quartal nur leicht zu. Waren es zu Jahresbeginn noch die hohen Ölpreise und die rasante Inflation, die den Verbrauchern die Kauflust verdarben, so sind es nun die Zukunfts- und Jobängste. Die Menschen legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante – die Sparquote stieg von 9,2 im Jahr 2000 auf über 11 Prozent. Langlebige Konsumgüter wie Autos werden zu Ladenhütern. «Die Verbraucher werden ihre Geldbeutel nächstes Jahr nicht weiter öffnen», sagt Schmieding.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, warnt: «Wir sollten in Deutschland nicht in Hysterie verfallen.» Sobald der globale Aufschwung wieder einsetze, werde die deutsche Wirtschaft durchstarten. Entlastung würden die Ölpreise bringen, die auf unter 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) OPEC-Öl gesunken sind. Die Firmen profitieren von den geringen Lohnzuwächsen der vergangenen Jahre. Die Hartz-IV-Reformen am Arbeitsmarkt sind der Wirtschaft zugutegekommen. Doch die Lage am Arbeitsmarkt könnte sich bald eintrüben. Die Sachverständigen erwarten 2009 erstmals seit 2005 wieder steigende Arbeitslosenzahlen. Dann dürften 3,3 Millionen Menschen auf Jobsuche sein, 35.000 mehr als in diesem Jahr. (dpa)