Krisen-Management: 

netzeitung.deEZB lässt Tür für weitere Zinsschritte offen

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Sitz der EZB in Frankfurt am Main (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sitz der EZB in Frankfurt am Main
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die EZB hat wie erwartet den Leitzins weiter gesenkt - und angesichts der Wirtschaftsflaute rechnen Experten schon in Kürze mit dem nächsten Schritt. Eine massive Senkung wie zuvor die Briten wagte die EZB aber nicht.

Im Kampf gegen Finanzkrise und Konjunkturflaute hat die Europäische Zentralbank erneut die Zinsen gesenkt. Die Währungshüter verringerten den Leitzins im Euroraum um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent, wie die EZB am Donnerstag im Anschluss an eine turnusmäßige Ratssitzung in Frankfurt am Main mitteilte.

Ökonomen hatten diese Entscheidung mehrheitlich erwartet. Anfang Oktober hatte die EZB in einer gemeinsamen Aktion mit anderen Notenbanken erstmals seit Jahren den Leitzins nach unten genommen. Grund sind die Folgen der Finanzmarktkrise und Rezessionsängste. Zudem schwinden wegen sinkender Ölpreise und der schwächeren Konjunktur die Inflationsgefahren, wegen der die EZB noch im Juli den Zins angehoben hatte.

Zuvor hatte die britische Zentralbank in einem historischen Schritt den Zins drastisch gesenkt: Die Bank of England verringerte den Leitzins um 1,5 Prozentpunkt auf 3 Prozent. Es ist die massivste Zinssenkung seit der britischen Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre. Experten hatten nur mit einer Senkung um 0,5 Punkte gerechnet. Die EZB folgte den Briten, aber nicht in gleicher Höhe.

Experten: Nächster Schritt im Dezember
Zugleich schloss EZB-Präsident Jean-Claude Trichet weitere Zinsschritte nach unten nicht aus. «Ich kann nicht ausschließen, dass wir die Zinsen weiter senken werden», sagte Trichet. Analysten interpretierten die Aussagen des EZB-Präsidenten einhellig in Richtung weitere Zinssenkungen.

Im Euroraum ist der Leitzins nun zwar so niedrig wie zuletzt vor fast zwei Jahren. Er liegt aber immer noch weit über dem Niveau in den USA - dem Ausgangspunkt der weltweiten Immobilien- und Finanzkrise - mit inzwischen 1,0 Prozent. Noch in diesem Jahr könnte der nächste Schritt der EZB anstehen - mehrheitlich wird erwartet, dass die Notenbank schon im Dezember mit einem abermals großen Zinsschritt um 0,5 Punkte nachlegen wird.

In der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung betonte Trichet sowohl geringere Inflationsgefahren als auch hohe Wachstumsrisiken wegen der Finanzkrise. Die verschärften Turbulenzen an den Finanzmärkten dürften das Wachstum in den kommenden Monaten merklich dämpfen, erläuterte der EZB-Chef. Die Inflation dürfte indes weiter zurückgehen und sich im Laufe des kommenden Jahres mit etwa zwei Prozent auf ein Niveau ermäßigen, das mit Preisstabilität vereinbar sei.

Die jüngste Zinsentscheidung ist laut Trichet im EZB-Rat einstimmig gefallen. Allerdings seien mehrere Optionen für einen Zinsschritt diskutiert worden. So sei auch ein größerer Zinsschritt um 0,75 Punkte im Gespräch gewesen. Mit Blick auf die künftige geldpolitische Ausrichtung unterstrich Trichet, dass sich der EZB-Rat niemals im Vorhinein auf Zinsschritte festlege. «Wir entscheiden immer zu gegebener Zeit auf Grundlage von Daten und Fakten.»

Auch die Schweizer Notenbank lockerte die Zinszügel weiter: Die Schweizerische Nationalbank senkte das Zielband für den Dreimonats-Libor von bisher 2,0 bis 3,0 Prozent auf 1,5 bis 2,5 Prozent. (dpa/AP)