15. Okt 2008 20:52
Dass angesichts der Krise etwas passieren muss, darüber sind sich fast alle Regierungschefs einig. Nur wer soll die internationalen Spielregeln der Wirtschaft verändern? Die EU, die UN? Nun wollen die G8-Staaten die Initiative ergreifen.
Die G8 seien vereint in ihrem Engagement, die Finanzmarktkrise durch eine Stärkung ihrer Finanzinstitutionen und die Wiederherstellung des Vertrauens zu bewältigen. Das Krisenmanagement erreicht damit eine globale Ebene. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Einberufung des Gipfels, der möglichst noch im November stattfinden solle. «Eine neue, tragfähige Architektur der Finanzmärkte kann nur gemeinsam entworfen werden», erklärte sie nach Angaben ihres Sprecher. Es gehe darum, «strukturelle Reformen der internationalen Finanzarchitektur anzugehen».Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte: «Wir brauchen eine neue Form des Kapitalismus, der das Finanzsystem in die Dienste der Bürger und Unternehmen stellt, nicht umgekehrt.» Schon am Samstag will Sarkozy in Camp David mit US-Präsident George W. Bush über die Finanzmarktkrise beraten.
Zuvor hatte bereits der britische Premierminister Gordon Brown für ein Treffen der G8-Staaten und der wichtigsten Schwellenländer nach Vorbild der Bretton-Woods-Konferenz 1944 geworben. Wie die Kanzlerin betonte er die Notwendigkeit einer Reform des Bankensystems und einer Internationalisierung der Finanzaufsicht. «Es gibt Aussicht auf die Verständigung auf ein Treffen», sagte er, «um sehr radikale und weitreichende Veränderungen herbeizuführen». Der EU-Gipfel in Brüssel einigte sich derweil im Grundsatz auf den Rettungskatalog der Eurogruppe für die Finanzmärkte. Zwar hätten mehrere Staaten einzelne Formulierungsänderungen gewünscht, über die Inhalte sei aber grundsätzlich Konsens erzielt worden. Zuvor hatte vor allem Tschechien Bedenken angemeldet, weil sie sich von den Beschlüssen der Eurogruppe überfahren fühlten. Die französische EU-Ratspräsidentschaft will die Änderungswünsche nun in einen neuen Text einarbeiten, der voraussichtlich am Donnerstag formal beschlossen werden soll. (AP/dpa)