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netzeitung.deLexikon der Finanzkrise

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Finanzdistrikt in Manhattan: die Wall Street (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Finanzdistrikt in Manhattan: die Wall Street
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Finanzkrise belastet seit vergangenem Jahr die Weltwirtschaft. Dabei fallen häufig Wörter wie Interbankenhandel, Kreditklemme oder Risikoabschirmung. Die Netzeitung erklärt die wichtigsten Begriffe.

Abschreibung
Da die Investments in US-Hypotheken nur noch einen Bruchteil ihres Ursprungswerts besitzen, müssen die Finanzkonzerne ihre Wertpapiere in den Bilanzen immer wieder nach unten korrigieren. Die erforderlichen Abschreibungen haben viele Institute in die roten Zahlen getrieben.

Asset Backed Securities (ABS)
In diese Wertpapier-Klasse haben die Banken ihre Kredite ausgelagert und anschließend weiterverkauft. So landeten US-Hypotheken bei Investoren auf der ganzen Welt. Als die amerikanischen Hausbesitzer ihre Kredite reihenweise nicht mehr zurückzahlen konnten, verloren diese Wertpapiere dramatisch an Wert.

Bürgschaft
Dies ist die einseitige Verpflichtung des sogenannten Bürgen, notfalls für Verbindlichkeiten eines Schuldners gegenüber seinen Gläubigern aufzukommen. Staatliche Bürgschaften in Milliardenhöhe sollen das Bankensystem retten.

«CDOs»
US-Banken, die billige Immobilienkredite an Menschen verkauft hatten, die es sich eigentlich nicht leisten konnten, gaben das Kreditrisiko gerne ab. Immobiliendarlehen wurden zu Paketen und handelbaren Finanzinstrumente geschnürt. Im Grunde wurden «Ramschkredite» schön verpackt. Es entstanden Anleihen, die durch Forderungen aus Hypothekendarlehen minderer Qualität gedeckt sind wie etwa «Collateralized Debt Obligations» (CDOs). Das sind hochkomplexe, kunstvoll strukturierte Finanzprodukte.

Einlagensicherung
Um bei der Pleite einer Bank die Sparguthaben zumindest bis zu einer bestimmten Höhe zu schützen, haben sich die deutschen Banken in Sicherungseinrichtungen zusammengeschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat darüber hinaus eine staatliche Einlagensicherung in voller Höhe in Aussicht gestellt.

Interbankenhandel
Damit ist der internationale Handel der Banken untereinander gemeint. Gehandelt werden etwa Geld, Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere.

Kreditklemme
Weil die Banken sich untereinander aus mangelndem Vertrauen kaum mehr Geld leihen, können sie auch weniger Kredite an ihre Kunden ausgeben. Erste Unternehmen berichten bereits von Problemen bei Darlehen.

Liquiditätsengpass
Wenn die finanziellen Mittel fehlen, Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen, wird von einem Liquiditätsengpass gesprochen. Um Banken vor Zahlungsunfähigkeit zu schützen, werden Milliarden in den Geldmarkt gepumpt.

Moratorium
Bei einem Moratorium friert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Geschäfte einer maroden Bank ein. Damit soll verhindert werden, dass weiterer Schaden entsteht. Jüngst traf es die deutsche Tochter der isländischen Bank Kaupthing.

Rating-Agenturen
«CDO»-Papiere wurden auch unbedenklich erworben, weil Bewertungsgesellschaften wie Moody's oder Standard & Poor's die Bonität der Produkte und Schuldner positiv und Ausfallrisiken gering bewerteten. Die Politik gibt den Rating-Agenturen eine Mitschuld am Desaster. Kritiker sehen zudem einen Interessenkonflikt, weil die Gesellschaften Berater für diese strukturierten Produkte seien und diese bewerteten. Die Agenturen bestreiten den Konflikt.

Realwirtschaft
Durch die Kreditklemme in manchen Branchen schwappt die Krise des Finanzsektors auf das produzierende und Dienstleistungsgewerbe über, die sogenannte Realwirtschaft. Schlimmstenfalls droht ein Wirtschaftsabschwung, eine Rezession.

Refinanzierung
Banken brauchen täglich viel frisches Geld, um neue Kredite auszugeben oder Sparguthaben auszuzahlen. Diese Mittel holen sie sich bei den staatlichen Notenbanken, sammeln sie bei ihren Kunden ein oder leihen sie sich untereinander.

Risikoabschirmung
Das ist das helfende Eingreifen, um Banken vor einer Pleite zu bewahren. Der Staat hat bereits in mehreren Fällen gemeinsam mit anderen Instituten strauchelnde Unternehmen von Lasten befreit.

Subprime
Als die Haus- und Immobilienpreise in den USA stark stiegen, ermöglichten aggressive US-Kreditinstitute nahezu jedem Bürger problemlos Kredite, auch finanziell Schwächeren - ohne Sicherheiten, ohne Anzahlung, ohne exakte Einkommensangaben und zu niedrigen Einstandszinsen. Diese «Subprime»-Kredite an Kunden von zweifelhafter Bonität wurden in kurzer Zeit zu einem Milliardengeschäft. Als die Zinsen stiegen und die Häuserpreise sanken, konnten die Wenigverdiener ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Es etablierte sich der Begriff Ramsch-Hypothek.

Verstaatlichung
Unterstützende Maßnahmen der Regierungen können bis hin zur Verstaatlichung der Banken gehen. Bei dieser Form der Vergesellschaftung können Eigentum und Entscheidungsgewalt ganz oder teilweise auf den Staat übergehen. So hat Island kurz hintereinander zwei große Banken verstaatlicht.

Zweckgesellschaft
Eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle) nutzen Kreditinstitute, um besondere Geschäfte abzuwickeln. Über dieses Konstrukt haben viele Banken in US-Hypotheken investiert - auch, um die hoch spekulativen Geschäfte aus der eigenen Bilanz herauszuhalten. Die Risiken wurden somit nach außen nicht offensichtlich. (dpa/nz)