Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Gemeinsamer Aktionsplan: 

G7 plant «Befreiungsschlag» gegen Finanzkrise

11. Okt 2008 10:15
Die sieben Finanzminister in Washington
Bild vergrößern
Um die «Weltwirtschaft gesunden zu lassen» wollen die sieben führenden Industrienationen koordiniert vorgehen. Auch das Rettungspaket aus Deutschland werde «materiell unterfüttert» sein, kündigte Finanzminister Steinbrück an.

Die sieben führenden Industrieländer (G7) wollen sich mit einem gemeinsamen Aktionsplan gegen die dramatisch ausufernde Weltfinanzkrise stemmen. Die gegenwärtige Lage verlange «dringende und außergewöhnlichen Maßnahmen», heißt es in einer am Freitag von den G7-Finanzministern und -Notenbankchefs in Washington verabschiedeten Erklärung.

Ein von der Bundesregierung in Aussicht gestelltes umfangreiches Rettungspaket für den deutschen Bankensektor soll nach den Worten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zügig zur Entspannung der Märkte beitragen. Die Maßnahmen sollten bereits an diesem Montag eine «Signalwirkung» haben.

Steinbrück begrüßte den G7-Plan als «sehr weitreichende» Verabredungen, um wieder Vertrauen zu schaffen: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Märkte sich beruhigen können». So wollen die sieben wichtigsten Industrieländer keinen Zusammenbruch einer Bank zulassen, die von großer, «systemrelevanter» Bedeutung ist.

Das «eingefrorene» Kreditgeschäft beleben

Zudem sind die G7 auch bereit, von staatlicher Seite für Liquidität zu sorgen. Das «eingefrorene» Kreditgeschäft zwischen Banken soll in Gang gesetzt werden. Die Interessen der Steuerzahler wollen die G7 schützen: Banken, die Staatshilfen nutzen, müssen sich auf scharfe Auflagen gefasst machen, Wettbewerbsverzerrungen sollen vermieden werden.

US-Finanzminister Henry Paulson sagte, der Aktionsplan sei ein «einheitlicher Rahmen, der unsere individuellen und gemeinsamen Schritte leiten wird, um die Märkte mit Liquidität zu versorgen, Finanzinstitutionen zu stärken sowie Sparer und Investoren zu schützen.» Er kündigte an, dass die US-Regierung Anteile von Banken kaufen wolle, um Vertrauen ins Finanzsystem wiederherzustellen.

«Nie war es wichtiger, gemeinsame Lösungen zu finden, um stabile und effiziente Finanzmärkte zu schaffen und die Weltwirtschaft gesunden zu lassen.» Den einzelnen Ländern sollen aber auf ihre Lage zugeschnittene Schritte freistehen, sagten Paulson und Steinbrück.

«Alle verfügbaren Werkzeuge» einsetzen

Ziel sei, die Finanzmärkte zu stabilisieren und den Kreditfluss sicherzustellen, heißt es in dem Plan der G7-Staaten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien. Es müssten dazu «alle verfügbaren Werkzeuge» eingesetzt werden, um den Zusammenbruch wichtiger Finanzinstitutionen zu vermeiden.

Das deutsche Banken-Paket werde auch «materiell unterfüttert» sein, kündigte Steinbrück an, ohne nähere Angaben zu machen. Er stellte zugleich in Aussicht, dass deutsche und europäische Institute bald mit flexibleren Bilanzierungsregeln wie in den USA und damit mit einem «gewissen Befreiungsschlag» rechnen könnten.

Bundesbank-Präsident Axel Weber betonte, die Lage erfordere «außergewöhnliche und schwerwiegende» Schritte. Auch er zeigte sich überzeugt, dass die Maßnahmen Anfang nächster Woche als «klare vertrauensbildende Signale» wahrgenommen werden. «Dann werden wir auch diese Vertrauenskrise an den Märkten überwinden.»

Nach einer dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise und massiven Verlusten an den internationalen Börsen wächst auch in Deutschland die Bereitschaft, notfalls mit einer Staatsbeteiligung die Banken zu stützen. Im Gespräch sind auch Milliarden-Finanzspritzen, um deutsche Institute vor dem Zusammenbruch zu retten. Die deutschen Pläne sollen aber erst noch an diesem Sonntag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in Paris erörtert werden.

Die führenden Industrieländer wollen auch sicherstellen, dass die Systeme zur Sicherung von Bankeinlagen «robust» sind. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Bankkunden weiter auf die sichere Verwahrung ihrer Guthaben vertrauen. Zudem soll der Markt für mit Hypotheken verbundenen Wertpapieren in Gang gesetzt werden. Ziel sei auch mehr Transparenz in der Finanzbranche. (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.