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Experte fordert internationales Hilfspaket: 

Eine Billion Dollar zur Rettung der Weltfinanz

10. Okt 2008 15:21
Fassungslosigkeit und Entsetzen an den internationalen Börsen
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Nur eine konzertierte Aktion der G7-Staaten kann einen Kollaps des internationalen Finanzmarktes verhindern, meint Bankenprofessor Dirk Schiereck. Michaela Duhr sprach mit ihm über «sinnlose» Maßnahmen, die nur Verwirrung stifteten.

Der drohende Zusammenbruch der internationalen Finanzbranche kann nur durch eine konzertierte Aktion der großen Industrienationen abgewendet werden. «Nur ein rasches gemeinsames Vorgehen der G7-Staaten kann jetzt noch helfen», sagte der Finanzwissenschaftler Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt am Freitag der Netzeitung. «Das wäre ein so deutliches Signal, dass sich die Märkte wieder beruhigen würden.»

Der Bankenprofessor fordert ein international abgestimmtes Stützungsprogramm: «Die Regierungen müssen den Banken alle faulen Kredite abnehmen. Nur die Staaten selbst haben genug Geld und Erfahrung, um eine solche Aktion durchzuführen.» Schiereck hofft, dass der «Leidensdruck weltweit inzwischen so groß ist, dass alle Bedenken über Bord geworfen werden», und die Regierungen schnell handelten.

Am Freitag brach an den internationalen Handelsplätzen erneut Panik aus: In Tokio verlor der Leitindex Nikkei mehr als neun Prozent, nachdem die Finanzkrise das erste japanische Finanzunternehmen in die Knie gezwungen hatte. Der Lebensversicherer Yamato Life Insurance musste mit umgerechnet 1,9 Milliarden Euro Insolvenz anmelden. In Frankfurt brach der Dax um etwa zehn Prozent ein, zuvor stürzte der Dow Jones in New York um fast 7,5 Prozent ab und schloss damit erstmals seit fünf Jahren unter der Marke von 9000 Zählern. Auch in London rutschte der FTSE um rund sieben Prozent ab.

Verwirrung, aber kein Vertrauen

Das von der US-Regierung geschnürte 700 Milliarden Dollar schwere Hilfspaket, mit dem den amerikanischen Banken riskante Kredite abgenommen werden sollen, konnte die nervösen Anleger bislang nicht beruhigen. «Eine Absichtserklärung reicht nicht aus, um das Vertrauen zurückzubringen», meint Bankenexperte Schiereck. «Niemand weiß, was die US-Regierung von wem kaufen will.» Das schaffe kein Vertrauen, sondern nur Verwirrung.

Schiereck schätzt, dass die großen Industrienationen für ein internationales Stützungsprogramm rund eine Billion Dollar aufwenden müssten. «Das Geld ist nicht wirklich verloren, sondern investiert», erläutert Schiereck. Kredite haben normalerweise einen Preis, nur sei der Markt dafür zusammengebrochen. Sobald sich die Lage beruhigt habe, könnten die Kredite wieder abgestoßen werden. «Die Maßnahme wäre nicht weniger als eine Investition in die wirtschaftliche Zukunft der Industrienationen für die nächsten fünf bis zehn Jahre.»

Bereits am Mittwoch hatten sechs führende Notenbanken die Leitzinsen in einer konzertierten Aktion gesenkt. Doch der Schritt beruhigte die Finanzmärkte nur vorübergehend. Solche Maßnahmen seien «völlig überflüssig», kritisiert Schiereck und vergleicht die Situation mit einem Flächenbrand: «Um das Feuer zu löschen, brauchen wir Wasser. Es hilft jetzt nichts, Wasser billiger zu machen, denn es geht nicht um den Preis, sondern darum, dass wir kein Wasser haben.»

 
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