Wegen Finanzkrise: 

netzeitung.deBörsengang der Bahn droht zu entgleisen

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Kommt der Börsengang aufs Abstellgleis? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kommt der Börsengang aufs Abstellgleis?
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Von allen Seiten wächst die Kritik am geplanten Börsengang zum 27. Oktober. Gewerkschaften und Länderpolitiker befürchten einen «ruinösen Ausverkauf von Volksvermögen». Bahnchef Mehdorn müsse aufgehalten werden.

Angesichts weltweit fallender Aktienkurse gerät die Unterstützung des Börsengangs der Deutschen Bahn AG immer mehr ins Wanken. Nachdem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Dienstag bezweifelt hatte, ob jetzt der richtige Zeitpunkt sei, forderten hochrangige Länderpolitiker und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) eine Verschiebung. Der Börsengang zum 27. Oktober tritt mit Beginn der Zeichnungsfrist am Montag in die entscheidende Phase.

Ein Börsengang jetzt «käme einem ruinösen Ausverkauf von Volksvermögen gleich», erklärte der Bremer Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) am Dienstag. «Der geplante Börsengang der Deutschen Bahn muss angesichts der internationalen Finanzkrise auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden.» Loske kündigte an, er werde diese Position bei der Verkehrsministerkonferenz in Dessau vertreten. Sein Kollege Karl-Heinz Daehre aus Sachsen-Anhalt, dem federführenden Bundesland bei diesem Treffen, setzte ebenfalls «Fragezeichen» hinter einen Börsengang des Staatsunternehmens zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn es mehr Geld gebe über die Börse, was im Moment mit einem großen Fragezeichen versehen sei, dann sei der Börsengang «in Ordnung», sagte er im ZDF-Morgenmagazin.

Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schloss sich Loske an. Die Verschiebung sei «dringend angeraten», sagte Wowereit der «Süddeutschen Zeitung». Für den Teilverkauf der Bahn an Privatinvestoren müsse ein möglichst guter Preis erzielt werden. «Dafür stimmt angesichts der Finanzkrise derzeit das finanz- und wirtschaftspolitische Umfeld nicht», sagte Wowereit.

GDL fordert: Mehdorn stoppen
Als «Verschleuderung des Volksvermögens» bezeichnete auch GDL-Chef Claus Weselsky eine Teilprivatisierung zum jetzigen Zeitpunkt. Die GDL habe zwar die Entscheidung des Bundestages zum Börsengang respektiert. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft forderte «aufgrund der Turbulenzen am Aktienmarkt» dennoch jetzt die Parlamentarier auf, ihn auf Eis zu legen. Der Eigentümer sei gefordert, «einen Vorstandsvorsitzenden zu stoppen, der mit brachialer Gewalt und dem Außerachtlassen jeglicher Einflussfaktoren immer noch am Börsengang festhält».

Steinbrück hatte am Montag erklärt, man müsse überlegen, «ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist». Zwar laufe das Verfahren momentan nach Plan und es gebe auch Interessenten. Es werde aber «der Zeitpunkt kommen zu entscheiden, ob man das Verfahren jetzt zum Abschluss bringt oder einen Plan B zieht», sagte der Minister.

Verschleuderung von öffentlichem Eigentum
Vor dem Verkehrsministerium in Berlin protestierten Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac gegen den Börsengang. Ihn «mitten in einer Jahrhundertkrise der Finanzmärkte durchzuziehen, hieße nichts anderes, als die Bahn zu verzocken. Diese gigantische Verschleuderung von öffentlichem Eigentum darf es nicht geben», sagte Stephan Schilling, Finanzmarktexperte im bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. «Nicht genug, dass der Staat mit dem Geld der Steuerzahler Banken retten muss - jetzt will die Bundesregierung auch noch die Bahn in dieses bodenlose Loch werfen.»

An die Börse gebracht werden sollen am 27. Oktober 24,9 Prozent der Verkehrs- und Logistiksparte DB Mobility Logistics AG. Die Infrastruktur soll zu 100 Prozent in Staatsbesitz bleiben. Erwartet wird ein Erlös von etwa 4,5 Milliarden Euro. Die Politik hatte im Frühjahr noch von acht Milliarden gesprochen. (AP)