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Dramatische Folgen der Finanzkrise: 

Notstandsgesetz soll Island vor Bankrott retten

07. Okt 2008 12:20, ergänzt 12:49
Schwer angeschlagen: die isländische Bank Kaupthing
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Island ist der erste Staat, den die Finanzkrise in die Knie zwingen könnte. Die isländische Regierung übernimmt die gesamte Kontrolle über sein Bankgewerbe. Unterdessen dementierte Russland, dem Land mit einem Milliarden-Kredit zu helfen.

Die weltweiten Auswüchse der Finanzmarktkrise werden immer dramatischer: Mit Island steht das erste Land vor einem möglichen Staatsbankrott. Die Regierung in Reykjavik verabschiedete ein Notstandsgesetz, um die komplette Kontrolle über das Bankengewerbe zu übernehmen. Island stehe vor der «reellen Gefahr», so in die globale Finanzkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe, sagte der isländische Regierungschef Geir Haarde in der vergangenen Nacht vor dem Parlament in Reykjavik.

Widersprüchliche Aussagen gibt es allerdings über eine milliardenschwere Rettungsaktion aus Russland. Das russische Finanzministerium dementierte am Dienstag eine Meldung, wonach Island ein Darlehen in Milliardenhöhe gewährt werden soll. Es habe bislang noch nicht einmal eine entsprechende Anfrage Islands an Russland gegeben, sagte ein Ministeriumssprecher in Moskau. Zuvor hatte die isländische Notenbank mitgeteilt, dass Moskau dem Land einen Kredit von vier Milliarden Euro einräume.

Die isländische Regierung will unterdessen als ersten Schritt die Auslandsaktivitäten der drei führenden Geldinstitute verkaufen. Die extrem aggressive internationale Expansion der drei größten isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir gilt als entscheidende Ursache für die akute Krise auf der Nordatlantikinsel mit gut 300.000 Einwohnern.

Reichen staatliche Mittel?

Die bürgerliche Regierungskoalition will sich demnach auch das Recht vorbehalten, die betroffenen Banken zu fusionieren oder sie bankrott zu erklären. Außerdem soll ein Fonds gebildet werden, der im Notfall alle Haushypotheken der Isländer übernehmen kann.

Die isländische Krone hat seit einer Woche gegenüber dem Euro mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. In den letzten zwölf Monaten ist der Kurs um mehr als 70 Prozent gesunken. Ob nationale staatliche Mittel ausreichen, um den gefährdeten Bankensektor zu stabilisieren, gilt als zweifelhaft. Das Bilanzvolumen der drei führenden Banken ist zehnmal so groß wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt.

Der isländische Staat hatte bereits in der vergangenen Woche für 600 Millionen Euro 75 Prozent der Glitnir Bank übernommen. Noch am Montag Vormittag hatte sich die Regierung optimistisch gezeigt, dass die Krise überwunden werden könne. «Zuletzt sah es so aus, als ob die Banken ihre Geschäfte noch eine Weile weiter führen könnten», sagte Haarde am Montagabend, «doch an diesem Morgen und im Laufe des Tgaes haben sich die Dinge dramatisch zum Schlechteren verändert». (nz)

 
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