05.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Kanzlerin will alles für eine Rettung des Unternehmens tun
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Die Kanzlerin will auf jeden Fall verhindern, dass der Zusammenbruch von Hypo Real Estate das ganze Finanzsystem in eine Schieflage bringt. Für die Sicherheit der Sparer plant sie offenbar auch zu sorgen.
Die Bundesregierung hat angesichts der sich verschärfenden Bankenkrise erstmals angedeutet, dass eine Komplettgarantie für private Spareinlagen eingeführt werden könnte. «Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Berlin. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) betonte: «Ich möchte unterstreichen, dass wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.»
Wie es in Regierungskreisen hieß, würde damit über die bisherigen Sicherungssysteme hinaus eine Staatsgarantie für private Spareinlagen in ganz Deutschland greifen. Die bisherigen gesetzlichen und weiteren Sicherungssysteme der deutschen Kreditwirtschaft gelten bereits als die weltweit besten. Es gibt aber keinen Komplettschutz.
Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck an einem Rettungsplan für den in Schieflage geratenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, sagte Merkel am Sonntag kurz vor Beginn einer Koalitionsrunde in Berlin. Einzelheiten der Maßnahmen nannten zunächst weder sie noch Finanzminister Steinbrück.
Steinbrück entsetztSteinbrück zeigte sich «ziemlich entsetzt» über das Management der Bankengruppe Hypo Real Estate, das «ein weiteres Liqiditätsloch in ungeahnter Milliardenhöhe» aufgetaucht sei. «Die Bundesregierung lehnt es ab, von diesem Bankeninstitut in eine Art Mitverantwortung gezogen zu werden.»
Zum zweiten Mal binnen einer Woche steht der Dax-Konzern vor dem Kollaps. Die Ursache der Liquiditätsnot bei der Hypo Real Estate ist die Finanzmarktkrise. Aber nicht etwa, weil das Haus im großen Stil in US-Immobilien-Kredite investiert hätte. Das abgrundtiefe Misstrauen der Banken untereinander hat die Münchner Bank in die schwere Krise geführt.
Banken trauen sich nicht mehrErst 2007 hat sich die Hypo Real Estate für mehr als 5 Milliarden Euro die irische Depfa Bank gekauft. Diese Bank ist in der Staatsfinanzierung tätig, das heißt, sie finanziert öffentliche Haushalte oder auch Infrastrukturprojekte. Eine sichere Sache, sollte man meinen. Doch die Depfa hat sich für ihre Geschäfte teilweise über den kurzfristigen Kapitalmarkt, der in der Regel billig und flexibel funktioniert, finanziert. Hier beginnt das Dilemma: Ohnehin ist das Vertrauen der Banken untereinander im Sog der Finanzmarktkrise immer weiter geschrumpft.
Seit der Pleite der traditionsreichen Investmentbank Lehman Brothers und anderen Fast-Zusammenbrüchen im US-Finanzmarkt hat sich das Misstrauen der Finanzhäuser aber noch einmal verschärft. Immer neue Geldspritzen der Notenbanken konnten dies bisher nicht beheben.
Argwohn und Skepsis regierenDer Handel der Banken untereinander - der sogenannte Interbankenhandel - ist darum aus dem gewohnten Takt geraten. Um die täglichen Geschäfte abzuwickeln, leihen sich die Finanzinstitute normalerweise untereinander Geld. Weil aber niemand genau weiß, in welcher Verfassung sich die jeweils andere Bank tatsächlich gerade befindet, regieren zur Zeit Argwohn und Skepsis in diesem an sich alltäglichen Geschäft. Das zeigt sich auch an der Zinsentwicklung: Der sogenannte Libor ist binnen Tagen stark gestiegen. Der Libor steht als Abkürzung für «London interbank offered rate» und wird täglich von der British Bankers Association fixiert.
Große Banken verlangen diese Sätze für bestimmte Kredite untereinander. Die aktuelle Zinsentwicklung, so schreibt die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung», signalisiere die Tiefe des Misstrauens. «Den Banken ist es zu riskant geworden, anderen Banken Geld zu überlassen. Würden nicht die Zentralbanken mit Liquidität einspringen, wären viele Institute zahlungsunfähig.» Besonders getroffen ist dadurch die Hypo Real Estate, denn sie verfügt nicht wie andere Banken über Kundeneinlagen zur Refinanzierung. Daher entstand wiederum ein massives Liquiditätsproblem bei der Depfa, was zu der bislang einmaligen ersten Rettungsaktion der Bundes und der Privatbanken am Sonntag vergangener Woche führte. (dpa/ AP)