Folgen der Finanzkrise: 

netzeitung.deÖkonomen sehen für Wirtschaft schwarz

 Herausgeber: netzeitung.de

Auch die Einkaufstüten könnten bald leerer werden (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch die Einkaufstüten könnten bald leerer werden
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dass die Konjunkturaussichten wegen der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten deutlich trüber werden, darin sind sich Experten und Regierungsmitglieder längst einig. Die Frage ist nur: wie trüb?

Das Wort von der Rezession macht seit Wochen die Runde. Führende Ökonomen halten es nun für immer wahrscheinlicher, dass die Finanzkrise zu einem erheblichen Einbruch der deutschen Wirtschaft führt. Was das Ausmaß anbelangt, unterscheiden sich ihre Deutungen jedoch etwas. Nach Ansicht der Deutschen Bank müssen sich die Bundesbürger auf einen Abschwung einstellen. «Eine Rezession ist für die alte Welt, also USA, Europa, Japan, nicht mehr zu vermeiden», sagte Chefvolkswirt Norbert Walter den «Stuttgarter Nachrichten». Zu viel sei schief gelaufen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dagegen rechnet nicht mit einem Sturz in die Rezession. Dem langen Aufschwung gehe aber die Luft aus, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Mittwoch in Berlin. Den IW-Prognosen zufolge wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr noch um 1,7 Prozent wachsen - für 2009 ist allerdings nur ein Plus von 0,6 Prozent zu erwarten.

Die Abschwächung der globalen Konjunktur dürfte immer mehr auf den deutschen Außenhandel durchschlagen, erläuterte das IW. Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre seien aber falsch. «Wer nur auf die Aktienmärkte und den amerikanischen Immobilienmarkt schaut, guckt zu kurz», sagte Hüther.

Ähnlich klang das am Dienstag beim Volkswirt der Dresdner Bank. Er erwarte trotz der zugespitzten Finanzmarktkrise zumindest «keine tiefe Rezession» in Deutschland. «Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine Stagnation im zweiten Halbjahr 2008 zu», sagte Michael Heise, Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank.

Die Wirtschaft dürfte im laufenden Jahr wie erwartet um 1,8 Prozent wachsen. Für 2009 senkten die Experten jedoch ihre Prognose deutlich von 2,2 Prozent auf jetzt 0,7 Prozent. «Vor allem wegen der Finanzmarktkrise haben sich zum Herbst die Stimmungsindikatoren weiter eingetrübt, auch die harten Daten geben kaum Anlass zum Optimismus», sagte Heise.

Das deutsche Handwerk leidet bereits unter der Konjunkturabkühlung und der Finanzkrise und stellt sich auf einen Umsatzrückgang von mehr als einem Prozent in diesem Jahr ein. Dem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld könne sich auch das Handwerk nicht entziehen, erklärte Handwerks-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer am Mittwoch in München. Sorgenkind bleibe der schwache Konsum in Deutschland.

Bundesregierung ebenfalls pessimistisch
Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnen damit, dass die bisherige Prognose von 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum in 2009 nicht zu halten sein wird. Eine Wachstumsdelle für die deutsche Wirtschaft erwartet auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, befürchtet als Folge der US-Finanzkrise Stellenstreichungen und Lohnsenkungen in Deutschland.

Die Experten der Dresdner Bank sehen trotzdem gute Voraussetzungen für eine Konjunkturbelebung im nächsten Jahr. Voraussetzung sei jedoch, dass die Finanzmarktkrise in den ersten Monaten 2009 allmählich an Brisanz verliere. Sowohl von den Ölpreisen als auch der Wechselkursentwicklung sei 2009 eine deutliche Entlastung zu erwarten. «Der private Konsum wird die leichte Erholung im Jahr 2009 treiben», sagte Heise. Bei den nominal verfügbaren Einkommen sei im kommenden Jahr ein deutliches Plus zu erwarten. Insgesamt dürfte der private Verbrauch um 0,9 Prozent wachsen. Vom Außenhandel seien angesichts des verschlechterten weltwirtschaftlichen Umfelds hingegen keine Impulse zu erwarten. (nz/dpa)