24.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Steinmeier wirbt für internationale Aufsicht
Nach Meinung des Außenministers wäre es unverantwortlich, wenn angesichts der Finanzkrise nichts passieren würde. Nachdem er sich in New York mit Börsianern getroffen hatte, präsentierte er konkrete Vorschläge.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich angesichts der Finanzkrise für rasche Schritte bei einer stärkeren Reglementierung der Märkte ausgesprochen. Es wäre unverantwortlich, wenn jetzt nichts passiere, sagte er am Mittwoch nach dem Besuch der New Yorker Börse. Nach seinen Worten sollte unverzüglich daran gegangen werden, eine internationale Aufsicht für neue Finanzprodukte zu schaffen.
Das von der US-Regierung auf den Weg gebrachte Rettungspaket nannte der Vize-Kanzler «ohne Alternative». Darauf könne man aufbauen, um ein gemeinsames internationales Vorgehen zu erreichen. Dies sei umso dringender, weil Länder wie China und Russland zunehmend unter den Fernwirkungen der Wall Street litten.
Bei den amerikanischen Gesprächspartnern sei er auf wachsende Bereitschaft gestoßen, bei einer stärkeren Reglementierung der Märkte mitzumachen, betonte Steinmeier. Er verwies darauf, dass insbesondere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schon frühzeitig entsprechende Vorschläge vorgelegt habe.
Bernanke sieht pessimistisch in die ZukunftUnterdessen warb US-Notenbankpräsident Ben Bernanke im US-Kongress für das milliardenschwere Rettungspaket. Dabei zeichnete er ein düsteres Bild von der Lage der US-Wirtschaft. Die Krise des Finanzsektors «könnte eine wesentliche Bremswirkung auf das Wachstum haben», mahnte Bernanke am Mittwoch in Washington vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des Kongresses.
Die Risiken für das Wirtschaftswachstum blieben ein Grund zu «großer Sorge». Wesentlich sei nun, ob es gelinge, den Finanzsektor zu stabilisieren. Bernanke hatte schon zuvor davor gewarnt, dass den USA ohne das Milliardenpaket eine Rezession drohe.
Amerikaner voller SorgeSorgenvoll verfolgen die meisten Amerikaner die Finanzkrise: Nur noch neun Prozent sehen die Wirtschaft derzeit in einer «guten oder exzellenten» Verfassung, ergab eine Umfrage der «Washington Post» und des Senders ABC. Zuletzt habe es 1992 eine solch pessimistische Sicht gegeben, hieß es. 52 Prozent glaubten, dass sich die Wirtschaft in einer ernsten und länger anhaltenden Abwärtsbewegung befinde. Sechs von zehn Befragten machen sich der Umfrage zufolge Sorgen um die persönlichen Finanzen. Das Regierungskonzept zur Stabilisierung des Finanzsektors begrüßten 47 Prozent, 42 Prozent waren dagegen.
Der Erfolg der fast schon verzweifelten Bemühungen der US- Regierung, mit einer gigantischen Finanzspritze angeschlagene Finanzunternehmen zu retten, war auch am Mittwoch noch fraglich. Der Regierungsplan sieht vor, faule Kredite im Gesamtwert von bis zu 700 Milliarden Dollar von bedrängten Banken aufzukaufen. (nz/dpa)