Sogar Stagnation möglich: 

netzeitung.deUngünstige Prognose für die deutsche Wirtschaft

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Der Maschinenbau spürt die schwächelnde US-Wirtschaft (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Maschinenbau spürt die schwächelnde US-Wirtschaft
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Die Experten von Minister Glos schrauben ihre Erwartungen an die Konjunktur gewaltig herunter. Auch der Chefökonom der EZB befürchtet, dass die Schockwellen aus den USA das Wachstum schwächen werden.

Angesichts der internationalen Finanzkrise wird die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose möglicherweise deutlich nach unten korrigieren. Einem Bericht des «Spiegel» zufolge rechnen die Experten von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für das nächste Jahr nur noch mit 0,5 statt 1,2 Prozent Wachstum. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger ist sogar noch skeptischer. «Ich halte im nächsten Jahr eine Stagnation für möglich», wird er in dem Nachrichtenmagazin zitiert.

Der Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, rechnet auch in Deutschland mit einer abflauenden Konjunktur. «Je nachdem, in welchem Umfang diese Schockwellen aus den USA uns erreichen, werden wir über eine längere Zeit ein schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland sehen», sagte er der «Welt am Sonntag». Momentan sei schwer abzuschätzen, wie sich die Vertrauenskrise der Investoren auf die privaten Haushalte auswirken werde. «Nach starkem Wachstum zu Jahresbeginn und einer Korrektur im zweiten Quartal werden wir wahrscheinlich im dritten Quartal sehr schwache Daten sehen», sagte Stark. Dennoch sehe er kein Potenzial für eine globale Rezession.
Zinssenkung wird abgelehnt
Auch für das Szenario einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale bei den Preisen gebe es keinen Hinweis: «Ich fürchte keine Deflation.» Schließlich liege die Inflationsrate im Euro-Raum noch immer bei 3,8 Prozent, und die Kreditvergabe von Banken an Unternehmen und Verbraucher wachse nach wie vor robust. Zudem liege der Ölpreis trotz des jüngsten Rückgangs noch immer weit über dem Niveau des Vorjahres, während der Euro-Kurs zuletzt gesunken sei. «Der Gesamteffekt für die Inflation in Europa ist dadurch deutlich niedriger, als man das auf den ersten Blick meinen könnte», sagte Stark. Forderungen nach einer Zinssenkung der EZB lehnt der Währungshüter daher ab: Die Zentralbank könne nicht zur Lösung der Probleme beitragen, indem sie die Zinsen senke. «Wir wollen die Konjunktur auch nicht feinsteuern», betonte Stark.

Trotz der internationalen Finanzkrise sieht der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, die Bundesrepublik weiter auf Wachstumskurs. «Die Lage ist weit besser, als sie von vielen Möchtegern-Experten beurteilt wird», sagte Thumann der «Bild am Sonntag». Er halte weiterhin ein Wachstum bis zu zwei Prozent in diesem Jahr für möglich: «Deutschland ist stark, ist immer noch das Land mit der größten Industrie-Produktion.» Zum Schutz vor den Folgen der Finanzkrise forderte der BDI-Chef «eine Rückbesinnung auf unsere Traditionen und Werte, um unser System der sozialen Marktwirtschaft zu verteidigen». In diesem Zusammenhang forderte er, Unternehmensgewinne auch den Arbeitnehmern zugute kommen zu lassen.

«Ich kritisiere die Gier»
«Wir brauchen das Geld, um unsere Mitarbeiter anständig zu entlohnen. Man wird nie erreichen, dass alle zufrieden sind. Aber das Ziel muss sein, dass die Belegschaft motiviert bleibt.» Thumann schloss sich der Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach besseren Kontrollen für die Finanzmärkte an: «Für die Finanzmärkte brauchen wir mehr Transparenz und effektivere Kontrollen.» Wenn Finanzinvestoren Unternehmen nur deshalb kauften, um sie nach kurzer Zeit mit Gewinn weiterzuverkaufen, sei das nicht gut für die Firmenkultur. Hier sei ein Umdenken erforderlich. Scharfe Kritik äußerte Thumann an den Auswüchsen der internationalen Finanzbranche: «Ich kritisiere die Gier. Wenn die 20 führenden Spitzenverdiener der amerikanischen Finanzbranche im Jahr, wie ich höre, durchschnittlich über 500 Millionen Dollar kassieren, stimmen die Verhältnisse nicht mehr.» (dpa/AP)