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Krise zwischen Moskau und dem Westen: 

Ohne russisches Gas bleibt die Wohnung kalt

29. Aug 2008 13:42
Gaspipeline in Russland
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Russland ist Deutschlands wichtigstes Bezugsland bei Erdgas. Doch die Branche sieht trotz der Kaukasus-Krise keinen Grund zur Sorge, berichtet Matthias Breitinger. Eine staatliche Gasreserve, wie von Glos vorgeschlagen, hält sie für überflüssig.

Der Konflikt im Kaukasus und die Androhung von Sanktionen der EU gegen Russland hat hierzulande die Sorge um eine stabile Energieversorgung wieder aufkeimen lassen. Die Bedenken sind nicht unbegründet, schließlich erhält West- und Mitteleuropa große Mengen an Öl und Gas aus Russland. Damit wächst die Angst, Moskau könnte bei möglichen Sanktionen des Westens zurückschlagen und seine Lieferungen drosseln oder gar stoppen.

Bei Erdöl gebe es «eher noch» die Möglichkeit, «umzuswitchen», sagte Energieexperte Uwe Leprich der Netzeitung. Da könne Deutschland auch auf Öl aus dem Nahen Osten oder Nordafrika ausweichen, falls Russland Lieferungen blockiere. Ganz kurzfristig gehe das aber nicht, schränkte der Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes in Saarbrücken ein.

Noch schwieriger wird es aber beim Erdgas. Da ist Deutschland vor allem beim Heizen «ziemlich abhängig» von Russland, so Leprich. «Bei Gas gibt es keine Alternative zu Russland.» Ohne die russischen Lieferungen würde es im Winter also kalt werden. Zwar erhalte Deutschland noch Lieferungen aus der Nordsee – aus Norwegen und den Niederlanden – doch «das wird immer weniger», erläuterte Leprich. Damit werde die Importabhängigkeit von Russland künftig noch zunehmen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geht dagegen davon aus, dass der norwegische Anteil in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 30 Prozent steigt. Dagegen werde der Bezug aus Großbritannien tendenziell eher abnehmen, sagte BDEW-Sprecher Jan Ulland. Allerdings spielen die Briten beim deutschen Gasbezug schon jetzt keine große Rolle.

Glos für nationale Gasreserve

Angesichts der Tatsache, dass Erdgas in Deutschland eine enorme Rolle als Energieträger spielt – fast jede zweite Wohnung wird mit Gas beheizt – hält Leprich den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), eine staatliche Gasreserve aufzubauen, für durchaus sinnvoll. «Die Frage ist nur, wie groß diese Reserve sein müsste und wie hoch die Kosten dafür sind. Ich fürchte, dass man schnell an Grenzen stößt.» Der gesamte Gasbedarf eines Winters lasse sich sicherlich nicht als Reserve vorhalten, schätzt der Experte.

Gasspeicher
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Glos will prüfen lassen, ob ähnlich wie bei Erdöl ein Vorrat erforderlich ist, «um die Energieversorgung sicherzustellen», wie der Minister der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte. «Der Konflikt in Georgien zeigt, dass wir uns auch beim Gas nicht noch stärker einseitig abhängig machen dürfen.» Kosten und Nutzen eines Gasvorrates müssten analysiert werden.

Der Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie (AFME) kalkuliert laut «FAZ» die jährlichen Zusatzkosten auf zwei Milliarden Euro, wenn die Speicherkapazität von derzeit rund 20 Milliarden auf 40 Milliarden Kubikmeter verdoppelt wird. Das würde den Gaspreis um etwa 0,18 Cent pro Kilowattstunde nach oben treiben, sagte AFME-Präsident Hellmuth Weisser der Zeitung. Auf einen Durchschnittshaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch kämen damit Mehrkosten von 40 Euro im Jahr zu.

Branchenverband: Keine Gefahr eines Lieferausfalls

Die genannten 40 Milliarden Kubikmeter entsprechen etwa 40 Prozent des Jahresverbrauchs, damit würde Gas für zusätzlich 90 Tage gebunkert. Die Gasunternehmen nutzen die bestehenden Speicher als Puffer für die verbrauchsstarke Winterzeit und für den kurzfristigen Handel. Seit der ersten Ölkrise Mitte der 1970er Jahre gibt es auch in Deutschland eine nationale Ölreserve, die die Versorgung für 90 Tage sichert.

In der Branche stößt Glos' Vorschlag indes auf Ablehnung. «Wir brauchen in Deutschland keine staatlich kontrollierte Erdgasreserve», sagte BDEW-Sprecher Ulland. Die hiesigen Speicherkapazitäten seien bereits sehr hoch und stünden miteinander im Wettbewerb. Ein Eingriff wäre kontraproduktiv. Die deutsche Gasbranche verfügt über das größte Speichervolumen in Europa.

Der Verband geht ohnehin nicht davon aus, dass die Lieferungen aus Russland blockiert werden könnten. «Die Versorgung ist absolut gesichert», sagte Ulland. «Seit mehr als 30 Jahren wird russisches Gas nach Deutschland geliefert, also auch schon zu den Zeiten des Kalten Krieges.» Dabei habe es niemals Lieferstopps gegeben. Ulland verwies auf die langfristigen Verträge, die teilweise über Jahrzehnte laufen.

Gasprom-Zentrale in Moskau
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Auch Professor Leprich schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass Russland den Hahn zudreht, als gering ein. «Diese Gefahr besteht nicht wirklich», sagte er der Netzeitung. Russland habe ein großes Interesse daran, dass die Lieferbeziehungen funktionierten und stabil blieben. Denn der allergrößte Teil des russischen Öls und Gases fließt in die EU – sie ist mit weitem Vorsprung Abnehmer Nummer eins für die Russen.

Für den «höchst unwahrscheinlichen» Fall, dass ein Lieferland ausfällt, könnten die Lieferungen aus anderen Ländern erhöht werden, fügte Ulland hinzu. Insbesondere die Niederländer hätten sehr gute Fördermöglichkeiten und könnten sehr schnell liefern. Solche Absicherungen bestehen bereits – nämlich für den Fall, dass in besonders harten Wintern der Bedarf ungewöhnlich hoch ist.

 
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