NZ-Reihe «Alternative Wirtschaftslenker»: 

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Der Erfinder von Mikro-Krediten und Gründer der Grameen Bank: Muhammad Yunus (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Erfinder von Mikro-Krediten und Gründer der Grameen Bank: Muhammad Yunus
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Muhammad Yunus gibt mit seiner Grameen Bank Millionen Menschen die Chance, der Armut zu entkommen. Seit Jahrzehnten kämpft er dafür, den Zugang zu Krediten als Menschenrecht zu betrachten. Michaela Duhr stellt den Visionär und Friedensnobelpreisträger vor.

«Irgendwann wird Armut ein Fremdwort sein, das man nur noch im Lexikon nachschlagen kann.» Das ist die Vision von Muhammad Yunus, der mit Kleinstkrediten Millionen von Armen die Chance gibt, eine eigene Existenz aufzubauen. So wie viele Unternehmer daran arbeiten, ihr eigenes Vermögen zu mehren, arbeitet der Gründer der Grameen Bank mit einer schier unerschöpflichen Energie daran, die materielle Not der anderen zu verringern.

Der mehrfach ausgezeichnete Erfinder des Mikro-Kredites erhält in diesem Jahr für sein Buch «Die Armut besiegen» den internationalen Corine-Zukunftspreis. Das Buch ist ein Plädoyer für soziales und verantwortungsbewusstes Unternehmertum. Denn die drängenden globalen Probleme wie Armut, Krankheit, Kriminalität oder Umweltverschmutzung werden von traditionellen Unternehmen, die nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, verschärft, aber nicht gelindert, wie der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesh ausführt.

Bereits vor zwei Jahren wurde Yunus für seine Idee der Mikrofinanzierung und für seine Verdienste, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung «von unten» zu fördern, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der 1940 geborene Bengale gründete vor 25 Jahren die Grameen Bank. Während etablierte Banken nach dem Motto 'Je mehr du hast, desto mehr bekommst du' arbeiten, vergibt die Grameen Bank Geld nach dem Prinzip 'Je weniger du hast, um so höhere Priorität wird dir eingeräumt', erläutert der 68-Jährige die ungewöhnliche Geschäftsphilosophie seiner Bank. Die Devise heißt: Business statt Almosen. Mit Almosen helfe man nur einen Tag, mit einem Geschäftskredit oft ein ganzes Leben.

Nur 27 Dollar für 42 Menschen
Begonnen hat alles vor über drei Jahrzehnten als Yunus 1972 nach seiner Promotion in den USA als junger Professor an die Chittagong Universität in Bangladesh zurückkehrte. Er traf in einem Dorf eine Frau, die Bambusstühle herstellte. Sie verdiente so wenig Geld damit, dass sie kaum davon leben konnte, erinnert sich Yunus. Sie hatte kein Geld, um den Bambus für die Stühle zu kaufen, also musste sie das Material leihen. Der Bambushändler kassierte dafür einen Wucherzins, doch die Frau hatte keine andere Wahl, als dessen Bedingungen zu akzeptieren.

Yunus sprach auch mit anderen Bewohnern des Dorfes und fand schnell heraus, dass es oft nur an einem oder zwei Dollar haperte. Er erstellte eine Liste von 42 Menschen, die insgesamt lediglich eine Summe von 27 Dollar benötigten. Das habe ihn am meisten schockiert, erzählt Yunus später, dass Menschen wegen eines so geringen Geldbetrages leiden müssten. Er habe sich seiner Arroganz und seiner Wirtschaftstheorien geschämt, in denen er von Millionen und Millarden sprach, die nötig seien, um Hunger und Armut zu bekämpfen.
Keine Kredite für arme Menschen
Der junge Professor ging zur Bank, um die 27 Dollar zu leihen, doch diese ließ ihn mit dem Hinweis abblitzen, man könne armen Menschen kein Geld leihen, weil sie es nicht zurückzahlten. Also finanzierte Yunus die Kredite aus eigener Tasche - und bekam jeden Cent von seinen Schuldnern pünktlich zurückbezahlt. Yunus versuchte anschließend erneut Banken von seinem Projekt zu überzeugen, doch diese winkten ab. Also gründete er 1983 seine eigene Bank.

Die Grameen Bank finanziert inzwischen nicht nur Kleinstunternehmer, sondern vergibt auch Bau- oder Studiendarlehen. Ende 2007 hatte die Bank eigenen Angaben nach etwa 6,5 Milliarden Dollar an rund 7,3 Millionen Kreditnehmer vergeben, die meisten davon Frauen. Das Zinsniveau liegt zwischen fünf und 20 Prozent. Wird das Geld für die Ausbildung der Kinder verwendet, ist der Zins niedriger, als wenn ein Haus damit gebaut wird.

Die Rückzahlungsquote liegt bei 98 Prozent. «Die Menschen wissen genau, was sie mit dem geliehenen Geld machen wollen. Sie arbeiten hart, sind motiviert, zuverlässig und kreativ», begründet Yunus die geringen Kreditausfälle. Das Modell der Mikrofinanzierung hat weltweit Nachahmer gefunden: Zahlreiche Institute in über 100 Ländern der Welt bieten inzwischen Kleinstkredite an.

Dennoch sieht sich Yunus noch lange nicht am Ziel: «Wir sind weit gekommen. Aber nicht weit genug.» Es gebe noch immer viele Banken, die armen Menschen keinen Zugang gewährten. Kredite und Darlehen dürften nicht nur den Reichen zugänglich sein, sondern sollten als Menschenrecht betrachtet werden. Nur so könne seine Vision, aus Armut ein Fremdwort zu machen, verwirklicht werden.