Konjunktur droht Schwäche-Einbruch:
Es geht abwärts – schon 2009
15. Jul 2008 12:16, ergänzt 12:21
 |  Ihre Auftragsbücher sind nicht mehr lange gut gefüllt | Foto: dpa |
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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft trüben sich ungebremst ein. So negativ wie noch nie seit Erhebung ihres Indikators erwarten die ZEW-Experten die Konjunktur. Auch die stark belasteten Verbraucher sind keine Stütze mehr.
Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich deutlich eingetrübt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sackten im Juli um 11,5 Punkte ab und liegen mit minus 63,9 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag mitteilte. Das ZEW befragt monatlich Finanzmarktexperten zu ihren Erwartungen. Der hohe Ölpreis, der starke Euro, die Kreditkrise in den USA, die Leitzinserhöhung der EZB und eine schwache inländische Konsumnachfrage dürften die deutschen Unternehmen in den kommenden sechs Monaten belasten, erklärte das Institut.
Das schwierige Umfeld zeige sich unter anderem in den wiederholt rückläufigen Auftragseingängen. Angesichts des Auftragseinbruchs beim bislang starken Maschinenbau seien die Erwartungen der Experten nun auch für diese Branche deutlich gefallen. «Die aktuellen Vorfälle bei den US-Hypothekenfinanzierern zeigen, dass die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden ist«, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Dies verstärke die Sorgen der Finanzmarktexperten um die konjunkturelle Entwicklung für das nächste Jahr in Deutschland. «Presseberichte, nach denen die Quartalswachstumrate im zweiten Quartal negativ ausfällt, mögen die Stimmung zusätzlich belastet haben,» sagte Franz. Auch die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage verschlechterte sich im Juli: Der Indikator sinkt um 20,6 Punkte auf 17,0 Punkte.Dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger zufolge steht die deutsche Wirtschaft vor einer Phase der Stagnation. «Wir haben den Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns», sagte Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Regierung, der «Passauer Neuen Presse». Die Hoffnung, der private Verbrauch könne den Konsum beleben, habe sich trotz Lohnerhöhungen in den jüngsten Tarifrunden nicht bewahrheitet. «Unter dem Strich bleibt für viele Privathaushalte eher weniger als mehr übrig. Der Hauptgrund dafür sind die gestiegenen Energiepreise», sagte Bofinger.
Vorsorge für schlechte Zeiten versäumt
Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für das kommende Jahr mit einer deutlich schwächeren Konjunktur in Deutschland. Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf sagte am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin: «Der Abschwung ist schon eingeleitet, 2009 werden wir zurückfallen in die alte Wirtschaftsschwäche», betonte er. Für 2009 sehen wir ein deutliches Wachstumstief heraufziehen.» Leider habe es die Politik versäumt, in den guten Jahren ausreichend Wachstumsvorsorge zu betreiben. Deutschland sei es im Zuge des Aufschwungs nicht gelungen, die Strukturprobleme, die vor einigen Jahren die Standortdebatte prägten, zu lösen.Die Kräfte des Wachstums seien schwächer als in vielen anderen Volkswirtschaften, die Mitbewerber Deutschlands seien, sagte Schnappauf. «Wir dürfen nicht bei jedem konjunkturellen Frühling sofort wieder an Umverteilung denken.» Stattdessen müsse in Bildung, Forschung und neue Technologien investiert werden: «Innovationen werden der Schlüssel für den Erfolg von morgen sein». «Die deutsche Industrie gibt ein konstruktives Warnsignal», sagte Schnappauf.
«Hohe Energiepreise werden bleiben»
Als Gegenmittel empfahl er, effizient mit Energie umzugehen: «Wir haben es in Deutschland zum großen Teil schon geschafft, wirtschaftliches Wachstum zu generieren, ohne dass wir immer mehr Energie brauchen.» Schnappauf rechnet nicht mehr damit, dass die hohen Ölpreise wieder nach unten gehen werden. «Im Kern werden wir uns an hohe Energiepreise gewöhnen müssen», betonte er. Das Energienetz in Deutschland müsse «ertüchtigt» werden, forderte Schnappauf. Nötig seien Kraftwerke und Leitungsnetze. (AP/dpa)