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Milliarden-Abschreibungen und Pleiten: 

Chronik der Finanzkrise bis Sommer 2008

14. Jul 2008 13:37, ergänzt 17. Okt 2008 11:59
Auslöser der Krise: die Immobilienblase in den USA
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Milliardenverluste bei Banken, eilige Rettungsaktionen, Schockwellen an den Börsen: Eine Blase im US-Immobilienmarkt löst die größte Finanzkrise seit den 1930er Jahren aus. Die Netzeitung gibt eine Chronologie seit Anfang 2007.

Massive Probleme auf dem US-Immobilienmarkt haben im vergangenen Jahr die weltweite Finanzmarktkrise ausgelöst, deren Auswirkungen mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers noch einmal wesentlich drastischer geworden sind.

In den USA waren im Zuge eines enormen Immobilienbooms auch Hypothekenkredite an private Bauherren mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben worden, sogenannte «Subprime»-Kredite. Diese Darlehen wurden oft von den Kreditgebern in hoch-komplexen Finanzpaketen gebündelt und weiter verkauft. Obwohl die Subprimes von vielen Ratingagenturen lange mit Höchstnoten versehen wurden, entpuppten sie sich im Verlauf der Krise als minderwertig oder gar wertlos.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2007 gab es immer mehr Zahlungsausfälle bei den Darlehensnehmern. Der Grund: Die Immobilienpreise sanken, die US-Zinsen waren gestiegen. Die Folge: Baufinanzierer und Banken gerieten in heftige Turbulenzen, die Geldhäuser mussten massive Abschreibungen in ihren Bilanzen vornehmen. Es entstand eine Vertrauenskrise unter den Banken, die sich gegenseitig kein Geld mehr liehen.

 
9. Februar 2007:
Der US-Hypothekenfinanzierer New Century Financial gerät ins Straucheln und meldet später Insolvenz an.

Juli/August:
Auch in Deutschland geraten Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in den Sog der Krise - etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB und die BayernLB.

3. August:
Der Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage stoppt die Kreditvergabe und stellt später Konkursantrag.

16. August:
Der größte US-Immobilienbank Countrywide Financial nimmt 11,5 Milliarden Dollar auf, um weitere Kredite zu finanzieren. Die US-Hypothekenbank First Magnus stellt ihre Geschäfte ein.

September:
Besorgte Kunden stürmen die Schalter der britischen Bank Northern Rock. Die Regierung und die Bank von England garantieren die Einlagen, Northern Rock wird vom Staat übernommen.

Oktober:
Bei der Citigroup bricht der Gewinn um 57 Prozent ein. Citigroup-Chef Charles Prince tritt später zurück. Merrill Lynch muss mehr als 8 Milliarden Dollar abschreiben. Vorstandschef Stan O'Neal geht wenig später. Die US-Bank JP Morgan Chase muss 1,3 Milliarden Dollar abschreiben. Dennoch steigert das Institut seinen Nettogewinn.

November:
Morgan Stanley muss im vierten Quartal weitere 2,5 Milliarden Dollar abschreiben. Die Bank of America kündigt Abschreibungen von rund 3 Milliarden Dollar an.

Januar 2008:
Die Citigroup macht im vierten Quartal 2007 rund 9,8 Milliarden Dollar Verlust und muss 18 Milliarden Dollar abschreiben. Merrill Lynch macht 2007 einen Nettoverlust von 8,05 Milliarden Dollar. Die Schweizer Großbank UBS meldet für 2007 wegen der Turbulenzen des US-Immobilienmarkts Abschreibungen von mehr als 18 Milliarden Dollar. Im April kommen weitere 19 Milliarden hinzu. In den USA muss der große Immobilienfinanzierer Countrywide von der Bank of America aufgefangen werden. Der Chef von Bear Stearns, James Cayne, verliert seinen Job.

29. Januar:
Die Bundespolizei FBI ermittelt im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise gegen 14 Unternehmen wegen des Verdachts auf Betrugs oder Insiderhandels.

Februar:
Der US-Kongress billigt ein Konjunkturprogramm im Umfang von 150 Milliarden Dollar.

16. März:
JPMorgan Chase übernimmt die Traditionsbank Bear Stearns mit Hilfe der US-Notenbank. Die US-Regierung springt mit Garantien ein. Bear Stearns wird so vor dem Zusammenbruch gerettet.

April:
Die US-Bank Wachovia macht im ersten Quartal 2008 einen Verlust von 393 Millionen Dollar. JPMorgan muss 2,6 Milliarden Dollar auf faule Kredite abschreiben. Merrill Lynch schockt mit weiteren Abschreibungen von mehr als 6 Milliarden Dollar. Die Citigroup weist einen Verlust von 5,1 Milliarden Dollar für das erste Quartal 2008 aus. Die Deutsche Bank meldet für das erste Vierteljahr mit einem Minus von 141 Millionen Euro den ersten Quartalsverlust seit fünf Jahren.

07. Juli:
Einem Analystenpapier zufolge könnten die beiden US-Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac weiteren Kapitalbedarf von zusammen 75 Milliarden Dollar haben. An den internationalen Aktienmärkten geht es wieder abwärts.

10. Juli:
Zweitgrößter Banken-Crash in der US-Geschichte: Die Hypotheken- und Bausparbank Indymac wird von den Aufsichtsbehörden geschlossen. Der US-Senat beschließt ein Gesetz, das schätzungsweise 400.000 verschuldeten Hausbesitzern Entlastung verspricht.

13. Juli:
Das amerikanische Finanzministerium und die US-Zentralbank wollen den ums finanzielle Überleben kämpfenden Hypothekenbank-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac helfen. Die Notenbank will den Instituten, deren Aktien wegen der US-Immobilienkrise in diesem Jahr mehr als 70 Prozent an Wert verloren, zusätzliche Kredite zu günstigen Konditionen gewähren, sollten sie weitere Mittel benötigen.

Juli:
In Spanien muss die Immobilien- und Finanzgruppe Martinsa-Fadesa Konkurs anmelden.

>>Mit der Verstaatlichung von Freddie Mac und Fannie Mae sowie dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers beginnt die zweite Welle der globalen Finanzkrise. Hier geht es zur Fortsetzung der Chronik.

 
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