Inflation: 

netzeitung.deTeuerung trifft vor allem Ärmere

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Wenn die "Tafel" hilft (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wenn die "Tafel" hilft
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Steigende Preise für Heizung und Lebensmittel machen immer mehr Menschen zu schaffen. Viele Bedürftige suchen deshalb Unterstützung bei sogenannten Tafeln - Tendenz steigend.

«Für Menschen mit ohnehin geringem Budget wirken sich die steigenden Preise extrem nachteilig aus», sagt eine Sprecherin des Deutschen Caritasverbands. Die Inflation trifft die, die wenig verdienen oder von Sozialleistungen leben, am härtesten. Zwar müssen alle mehr für Lebensmittel und Energie ausgeben. Doch während die einen dafür vielleicht am Urlaub sparen, müssen andere kämpfen, um die Nachzahlung für die Heizung zusammenzukratzen.

«Die Heizkosten sind ein Problem», weiß eine Caritas-Sprecherin von ihren Kollegen aus der Schuldnerberatung. Dort berichteten in jüngster Zeit viele, dass sie die Nachzahlungen für die gestiegenen Heizkosten nicht mehr schultern könnten. Umso größer sei die Sorge angesichts der Ankündigungen über weitere Erhöhungen der Gaspreise.

Energieberatung für Hartz-IV-Empfänger
Doch die Caritas in Frankfurt hat einen Weg aus der Kostenfalle gefunden: Empfänger von Hartz IV oder anderen Transferleistungen können eine Energieberatung in Anspruch nehmen. Dazu werden wiederum Bezieher von Hartz IV zu Beratern geschult, Sponsoren stellen beispielsweise Energiesparlampen zur Verfügung. Die Idee hatte die Stadt, und sie profitiert auch davon. Denn die Kommunen zahlen über Hartz IV auch die Heizkosten. Die Betroffenen selbst können ihre Stromrechnung niedriger halten.

Das Projekt gibt es zwar schon länger, es gewinnt aber an Bedeutung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stellte es am Dienstag als Alternative zu den vorgeschlagenen Sozialtarifen bei Energieversorgern vor. Die Frankfurter Caritas hatte schon vorher so viele Anfragen aus anderen Städten, dass sie dafür eigens jemanden einstellte.

Schlangen bei sogenannten Tafeln
Heizung und Strom sind das eine Problem, dazu kommen noch die steigenden Preise für Brot und andere Lebensmittel. Dass auch diese immer mehr Menschen zu schaffen machen, lässt sich an den länger werdenden Schlangen der sogenannten Tafeln beobachten. Diese geben Lebensmittel von Spendern kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an Bedürftige aus. Immer mehr Menschen suchen die Hilfe der knapp 800 Tafeln bundesweit. Gleichzeitig werden immer mehr Tafeln gegründet, wie eine Sprecherin des Bundesverbands Deutsche Tafel sagt. «Wir gehen davon aus, dass die Inflation dabei eine große Rolle spielt.» Der Bundesverband rechne damit, dass die Zahl der Versorgten von derzeit etwa 800.000 bis Ende des Jahres auf eine Million steige.

Caritas, Diakonie und Paritätischer Wohlfahrtsverband fordern eine Erhöhung von Hartz IV und anderer Sozialleistungen. «Der Regelsatz von Hartz IV reicht nicht mehr aus und sollte an die gestiegenen Kosten angepasst werden. In der Berechnung sind noch nicht einmal die erhöhte Mehrwertsteuer oder die Praxisgebühr berücksichtigt», sagt die Sprecherin vom Caritasverband.

Experte: Hartz IV an Verbraucherpreisen orientieren
Die Erhöhung von 1,1 Prozent seit 1. Juli sei wegen der Inflation nicht angemessen, meint auch Rudolf Martens, Forschungsleiter des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Hartz IV oder die Grundsicherung im Alter sollten sich nicht wie bisher an der Rente orientieren, sondern an den Verbraucherpreisen, rät er. Stadt und Landkreis München haben den Rat anhand einer Berechnung von Martens für Leistungen nach SGB XII umgesetzt.

Seit Mai betragen die Regelsätze für die Grundsicherung im Alter und die Leistung für nicht-erwerbsfähige Behinderte in der Stadt München 375 Euro, bestätigt eine Sprecherin des Sozialreferats. Das seien 26 Euro mehr. «Hartz IV müsste auch angehoben werden», ergänzt sie. Dies können die Kommunen allerdings nicht selbst entscheiden, da der Bund zuständig ist. Die Stadt München begründet ihren Schritt mit den steigenden Preisen. «Das Geld ist für viele wahnsinnig knapp geworden», sagt Niedermayer. (Von Samuel Heller, AP)