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Geschichte der Gipfel: 

G sechs, sieben, dreißig

06. Jul 2008 09:21
Rückkehrer: Silvio Berlusconi vertritt wieder Italien
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Von wegen G8: Ab Montag kommen in Japan mehr als 30 Teilnehmer zum Weltwirtschaftsgipfel zusammen. Mit den Kamingesprächen der ersten Tagung 1975 hat der Gipfel von Toyako nur noch wenig gemein.

Die Auswirkungen der ersten Ölkrise 1973 waren noch zu spüren: 1975 sahen sich der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt dazu veranlasst, die Staats- und Regierungschefs aus den USA, Großbritannien, Japan und Italien zu Beratungen über die Weltwirtschaftslage einzuladen: Die «Gruppe der Sechs» - kurz G6 - traf sich in informeller Atmosphäre im Schloss Rambouillet bei Paris.

Seither treffen sich die ranghöchsten Politiker der wichtigsten Industriestaaten alljährlich. Schon beim zweiten Weltwirtschaftsgipfel auf der amerikanischen Insel Puerto Rico wurde Kanada in den exklusiven Club aufgenommen - aus der G6 wurde die G7. In den ersten Jahren standen bei den Treffen ausschließlich wirtschaftspolitische Fragen auf der Tagesordnung.

Bereits Anfang der 80er Jahre nahmen die Staats- und Regierungschefs zusätzlich auch außenpolitische Probleme wie den Ost-West-Konflikt oder den Kampf gegen den internationalen Terrorismus sowie Umweltfragen ins Programm. Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes und der Sowjetunion wurde Russland zunehmend in die Arbeit der G7 einbezogen und 1998 in Birmingham als Mitglied aufgenommen.

Damit erhielt die Gruppe ihr jetziges Achterformat. Genau genommen müsste man aber von G9 sprechen: Seit 1978 nimmt auch die EU an den jährlichen Treffen teil, vertreten durch den amtierenden Präsidenten des Europäischen Rats und den Präsidenten der EU-Kommission.

Der informelle Charakter blieb erhalten

Was 1975 im Schloss Rambouillet als Kamingespräch begann, ist mittlerweile eine Mammutkonferenz mit massiven Sicherheitsvorkehrungen geworden. Der informelle Charakter der Treffen blieb über die Jahre allerdings erhalten. Die Gruppe der Acht gilt nicht als internationale Organisation. Sie unterhält kein ständiges Sekretariat und verfährt nicht nach festgelegten Regeln. Ihre Beschlüsse sind nicht bindend. Der Vorsitz rotiert zwischen den Mitgliedern der Gruppe jährlich. Der jeweilige Ausrichter der Gipfeltreffen ist auch für die Tagesordnung zuständig.

Beim Gipfeltreffen auf der japanischen Insel Okinawa im Jahr 2000 wurden erstmals afrikanische Staatschefs als Gäste eingeladen. In den folgenden Jahren wuchs der Teilnehmerkreis immer weiter. An dem am Montag beginnenden Gipfel auf der japanischen Insel Hokkaido nehmen insgesamt 23 Staats- und Regierungschefs sowie die Chefs von UN, Weltbank, Afrikanischer Union, EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds, OECD, der Internationalen Energieagentur und eventuell der Welthandelsorganisation teil.

Zum Auftakt sind sieben afrikanische Staaten zu Gast, am Mittwoch stößt die Gruppe der fünf wichtigsten Schwellenländer zu den Beratungen. Mit dieser G5, der China, Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien angehören, hat die G8 im vergangenen Jahr einen Prozess enger Konsultationen über wichtige globale Themen wie den Klimaschutz eingeleitet. Nach dem Treffen der «G8 plus 5» wird der Kreis noch einmal um drei Länder auf 16 erweitert. Mit Südkorea, Indonesien und Australien wird es dann um das neue UN-Klimaschutzabkommen gehen, das 2012 das Kyoto-Abkommen ablösen soll.

Merkel gegen Erweiterung

Eine neuerliche Erweiterung der G8 ist seit langem im Gespräch. Bereits 2004 regten der britische Premierminister Tony Blair und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen solchen Schritt an. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt das ab und will stattdessen die zunächst auf zwei Jahre angelegte Kooperation mit der G5 über das Jahr 2009 hinaus fortsetzen.

«Ich finde diesen Weg ausreichend flexibel», sagt die Kanzlerin zur Begründung. «Ich glaube, es gibt Punkte, die können besser und effizienter unter den G-8-Ländern besprochen werden. Und es gibt andere Themen, die wir nur mit den G-5 sinnvoll erörtern und lösen können.» (Von Michael Fischer, AP)

 
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