30. Jun 2008 17:30
Lahme Wirtschaft bei kräftigem Preisauftrieb - ein Panikszenario für Ökonomen. Denn dann laufen die üblicherweise eingesetzten Maßnahmen gegeneinander. Volkswirte sind aber uneins, ob der Eurozone eine Stagflation droht.
Zuletzt sprach man in Deutschland vor rund 35 Jahren von Stagflation: Auslöser war der Ölpreisschock Anfang der 70er Jahre. Das Tückische ist, dass im Fall der Stagflation die üblicherweise eingesetzten volkswirtschaftlichen Mittel im Widerspruch zueinander stehen. Bei einer hohen Inflation wird die Zentralbank im Normalfall nämlich auf die Bremse treten, indem sie die Leitzinsen erhöht. Dadurch werden Kredite teurer, die Preise sollten weniger stark steigen.Lahmt hingegen die Konjunktur, sind die Wachstumsraten gering und in der Folge die Arbeitslosigkeit hoch, versuchen die Zentralbanken die Wirtschaft anzukurbeln: Sie senken die Leitzinsen, machen damit Kredite billiger. Die Vergrößerung der Geldmenge treibt allerdings nach Meinung zumindest eines Teils der Wirtschaftstheoretiker auch die Inflation an. Die Stagflation bedeutet insofern eine Steigerung zweier Grundübel: Erhöht die Zentralbank die Leitzinsen, um die Preissteigerung zu dämpfen, könnte die Arbeitslosigkeit steigen.
Dass dem Euro-Raum derzeit eine Stagflation droht, wird allerdings von zahlreichen Experten bezweifelt. Das Ölpreisanstieg laufe längst nicht so schnell wie in den 70er Jahren, die Inflationsrate sei nicht über mehrere Jahre hinweg hoch und außerdem habe die Preissteigerung bisher andere Bereiche außer Energie und Lebensmittel nicht erfasst, heißt es. Die Kernrate der Inflation ohne Öl und Lebensmittel liege unter der EZB-Zielgröße. Die Europäische Zentralbank betrachtet eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent als Stabilität im Euro-Raum. Inzwischen ist die Inflationsrate allerdings auf vier Prozent gestiegen. (AP/nz)